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Abwasserbeseitigung als hydrogeologisches Problem

Keller, Gerhard

Kurzfassung

Überblick Der in verschiedenen Industriezweigen verfahrensmäßig erheblich angestiegene Wasserverbrauch und Abwasseranfall einerseits und die Verschärfung in den Forderungen über die Reinhaltung der Vorfluter andererseits haben dazu geführt, auch den Erdboden in seinen beiden Arten als Locker- und als Festgestein auf seine Eignung für die Aufnahme von Abwässern genauer zu prüfen. Die Versickerung und die Versinkung sind in der Natur oft beobachtbare Vorgänge, die durch Sickerbohrungen oder Sickerschächte erweitert und neben der Grundwasseranreicherung schon seit langem mit Erfolg in den Dienst der Abwasserbeseitigung gestellt wurden. Es lag daher auch in Ländern, in denen bereits Atomfabriken arbeiten, nahe, für die Beseitigung der mehr oder weniger schädlichen Abwässer ebenfalls die Einleitung in den Untergrund zu benutzen, wofür die Amerikaner die Bezeichnung: Erdbehandlung prägten. Da die Möglichkeiten für die Einleitung von Wässern in den Untergrund, ihrer Speicherung, Fortleitung und Regenerierung örtlich sehr unterschiedlich sind, ist eine möglichst genaue Kenntnis über die geologische Struktur in stratigraphischer, in petrographischer und in tektonischer Hinsicht erforderlich. Erst an diese anschließend sind die hydrologischen Fragen zu klären, wie weit über eine oft nachweisbare Aufnahmebereitschaft hinaus ein dauernd wirkendes Schluckvermögen im Untergrund vorhanden bleibt. Wichtig ist dann die Frage des unterirdischen Weges der Abwässer und ihre qualitative Wiederangleichung an das Grundwasser. Neben diesen hydrogeologischen Gesichtspunkten sind ebenfalls Fragen über die physikalische und chemische Eignung des Schluckwassers von Bedeutung, da von ihnen die Wirksamkeit und die Lebensdauer der Versinkung abhängt. Die nachfolgende Darstellung untersucht daher in Kapitel I zunächst die Frage des Schluckvermögens von Böden und Gesteinen bzw. von Locker- und Festgesteinen mit Poren- und Kluftvolumen, das besonders in löslichen Gesteinen erhebliches Ausmaß annehmen kann und aufnahmebereit ist. Die vorstehend aufgezeigten geologischen Bedingungen erfordern eine Prüfung der Eignung des Abwassers nach der qualitativen Seite hin, auf die in Kapitel II eingegangen wird.