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Reflexionsseismische Messungen in der gefalteten Molasse Oberbayerns

Clasen, Gerhard; Dohr, Gerhard

Kurzfassung

Die geologische Kartierung der gefalteten Molasse gibt ein verhältnismäßig gutes Bild über das Vorhandensein bestimmter geologischer Formationen und ihrer Lage zueinander. Eine Extrapolation dieser Beobachtungsergebnisse in größere Tiefe ist jedoch immer schwierig, und man darf nur mit Vorbehalten weitere Schlüsse ziehen. Noch vorsichtiger muß man vorgehen, wenn auf Grund derartiger Unterlagen Explorationsbohrungen, z. B. auf Erdöl, angesetzt werden sollen. Für das Gebiet, das durch die Preußische Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft auf Erdöl und Erdgas erschlossen werden sollte - es umfaßt den Bereich der Murnauer Mulde sowie Teile der Rottenbucher und Auerberg-Peißenberger Mulde -, liegen entsprechende geologische Kartierungen vor. Durch Anwendung geophysikalischer Verfahren sollte nun versucht werden, diese Kartierungsergebnisse in größere Tiefe zu erweitern, um so Lokationen für das Ansetzen von Erdöl- oder Erdgas-Bohrungen zu finden. Es kamen nur reflexionsseismische Untersuchungen in Frage, da in diesem Bereich mit Gravimetrie und Refraktionsseismik nur ungenügende Ergebnisse erzielt werden. Mit den Messungen wurde im Jahre 1952 begonnen, und zwar im Raum Seeg-Lechbruck. Schon die ersten Schußpunkte ergaben vereinzelte Reflexionen, und die Profile entsprachen ungefähr den Vorstellungen, die man sich auf Grund der geologischen Kartierung gemacht hatte. Zunächst dienten die Messungen daher hauptsächlich dazu, durch Variationen aller Möglichkeiten die optimalen Bedingungen für diese Arbeiten zu finden. Eine Verbesserung der Reflexionen kann man durch Bündelung erhalten, d. h. durch Hintereinander- oder Parallelschalten von mehreren Geophonen, die auf einer Spur arbeiten. Nachdem anfänglich jede Spur mit einem Geophon besetzt war, wurde die Anzahl allmählich gesteigert, so daß z. Z. 12 Geophone je Spur, d. h. 12mal 24 = 288 je Schußpunkt verlegt werden. Im ersten Jahr umging man alle Geländehindernisse. Doch erhielt man dadurch logischerweise vielfach geknickte Profile, somit also oft verfälschte Reflexionsneigungen und keine einwandfreie Interpretation der Meßergebnisse.