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Tertiär im Nordteil der Alpen und im Alpenvorland Österreichs

Prey, Siegmund

Kurzfassung

Wie aus dem Titel "Tertiär im Nordteil der Alpen und Alpenvorland Österreichs" hervorgeht, sollen zuerst kurz die meist kleinen Tertiärvorkommen im Raume der Kalkalpen, ferner das Tertiär im Flysch und Helvetikum berücksichtigt werden, ehe auf die ausgedehnten Tertiärvorkommen der Molassezone und des Wiener Beckens näher eingegangen wird. Neben dem Überblick soll auf neuere Erkenntnisse hingewiesen werden. Zur besseren Orientierung diene die Übersichtskarte Abb. 2. I. Die zumeist kleinen und lückenhaften Tertiärvorkommen der nördlichen Kalkalpen und der Flyschzone Etwas Alttertiär ist in letzter Zeit in den Gosaubecken der Kalkalpen neu aufgefunden worden, das eine Fortsetzung der Sedimentation der Gosauschichten darstellt. Erwähnt sei das Paleozän und Untereozän von Gams bei Hieflau, das von WICHER beschrieben worden ist. Die Verbreitung dieser Vorkommen ist aber noch ungenügend bekannt. Dann ist erst Obereozän bekannt, ferner jüngere Schichten, Unter diesen Vorkommen ist das Tertiär des Unterinntales das größte. Die Tertiärschichten des Unterinntales (Abb. 1) sind in zwei größeren Becken erhalten geblieben, einem südlicheren von Häring-Rattenberg und einem nördlicheren von Oberaudorf-Kössen-Reit im Winkel. Sie transgredieren über stark gestörte Schichten der Lechtaldecke, in Resten auch auf der Kaisergebirgsdecke. Die Schichtfolge reicht in beiden Becken vom Priabon bis ins Aquitan, wobei Chatt im südlichen Becken durch Einzelfunde belegt, eine Vertretung des Rupel nur wahrscheinlich ist. Im südlichen Becken liegen unten die Häringer Schichten mit Grundkonglomeraten, Lithothamnien-, Nummuliten- und Korallenkalken, einem Kohlenflöz mit Bitumenmergeln des Priabon und lattorfische Zementmergel mit Linsen einer klastischen Litoralfazies. Im nördlichen Becken sind es priabone Konglomerate und Nummulitensandsteine. Darüber folgen in beiden Becken die Angerberger Schichten mit Konglomeraten, Sandsteinen und auch Mergeln bis ins Aquitan. Die Häringer Schichten sind nur einige hundert Meter mächtig, nicht über 1000 m, wie AMPFERER meinte. Sie galten seit jeher als marin, untergeordnet brackisch, die Angerberger Schichten als limnisch-fluviatil, jedoch konnte HEISSEL für den tieferen Teil der letzteren stärkeren marinen Einschlag nachweisen.