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Erdgeschichte und Bau der mittelamerikanischen Festlandsbrücke

Weyl, R.

Kurzfassung

In Mittelamerika lassen sich folgende Hauptgebiete unterscheiden: 1. Das paläozoisch gefaltete Gebirgsland des nördlichen Mittelamerika, das nach dem Vorschlag STILLES (1940) als Sapperland bezeichnet wird. 2. Die ihm vorgelagerte, nordwärts geneigte Kalktafel der Halbinsel Yucatan, die jedoch außerhalb der nachstehenden Betrachtungen bleiben wird. 3. Der tertiäre Gebirgsbogen Costa Ricas und Panamas. 4. Die der pazifischen Küste folgende Bruch- und Vulkanzone mit den ihr nördlich und östlich vorgelagerten Gebieten jungeffusiver Decken. Das Sapperland erstreckt sich von der Sierra Madre de Chiapas und ihrem Vorland über Guatemala nach Honduras und bis in die nördlichen und östlichen Gebiete von Nicaragua. Kristalline Schiefer bilden sein Grundgebirge paläozoischen oder vorpaläozoischen Alters, dessen einzig sichere Altersgrenze die Anlagerung durch nichtmetamorphe Sandsteine, Schiefer und auf sie folgende marine Kalke und Dolomite mit mittelpermischen Faunen darstellt. Innerhalb des kristallinen Grundgebirges glaubte MÜLLERRIED (1948), in Chiapas zwischen einem älteren, stärker gefalteten, und einem jüngeren, ungefalteten Anteil unterscheiden zu können, doch stehen eingehendere Untersuchungen noch aus. Das Grundgebirge des Sapperlandes bildet einen rund 400 km breiten Streifen, der in östlicher Richtung auf das Karibische Meer und die Antillen ausstreicht. Die hiermit naheliegende Frage nach einer Fortsetzung in den Großen Antillen ist sehr verschieden beantwortet worden, je nach der Altersstellung, die dem metamorphen Kristallin der Antillen zugewiesen wurde. Verf. hat 1949 auf Grund mineralfazieller Beobachtungen das Vorkommen älterer, möglicherweise vormesozoischer kristalliner Schiefer mesozonaler Prägung für möglich gehalten. Ihnen stellte er sicher jüngere, epizonale, z. T. diaphthoritische Schiefer gegenüber, die durch die laramische Orogenese geprägt worden sind. BUTTERLIN (1954) ist dieser Auffassung mit der Begründung entgegengetreten, daß in ein und derselben Orogenese (in diesem Falle der laramischen) progressive wie retrograde Metamorphose auftreten könne, so daß der Befund zweier Gesteinsfazies nicht zwingend für die Annahme zweier Metamorphosen grundverschiedenen Alters sei. Neue Felduntersuchungen, über die ZANS (1953) allerdings erst kurz berichtet, lassen die vielfach für metamorphes Paläozoikum gehaltenen Gesteine des sog. Basalkomplexes der Insel Jamaica als metamorphes Mesozoikum mit endkretazischen Intrusionen deuten.