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Die Abstammung des Menschen im Lichte der javanischen Funde

v. Koenigswald, G. H. R.

Kurzfassung

Es gibt kein Land in der Welt, in dem innerhalb eines beschränkten Gebietes so zahlreiche Reste des fossilen Menschen zutage gekommen sind als auf Java. Sie gehören zu mindestens 5 verschiedenen Typen und stammen aus allen Abteilungen des Pleistozän, in Europa gerne die Eiszeit genannt. Der Grund hierfür ist einmal in den idealen Lebensumständen im immer tropischen Java gegeben, während andererseits bei Vulkanausbrüchen immer wieder ein Teil der Fauna (und hierbei auch der Mensch) vernichtet und in vulkanischen Tuffen begraben wurde. Schon 1891/1892 hatte E. DUBOIS auf Java die Reste des "aufrechtgehenden Affenmenschen", des Pithecanthropus erectus, entdeckt und damit einen wichtigen Beitrag zur Stammesgeschichte des Menschen geliefert. Die Natur des Pithecanthropus blieb lange umstritten, da man außer dem Oberschenkel nur einen stark beschädigten flachen Schädel kannte, dem gerade die zur näheren Beurteilung wichtige Gehörregion fehlte. 1928 wurde wohl der Schädel des Pekingmenschen gefunden, der sich als ein echter primitiver Mensch und Verwandter des Javamenschen erwies, aber gerade DUBOIS wollte diesen Fund nicht als Beweis anerkennen. Erst nach 1931 kamen in Java weitere menschliche Fossilien ans Licht, während gleichzeitig die geologischen Umstände geklärt werden konnten. Zwischen 1931/1933 wurden in Ngandong 11 Schädel einer neanderthalähnlichen Form entdeckt, die vom Homo soloensis stammen und dem oberen Pleistozän angehören. Der Solomensch war ein Kopfjäger. Darunter, im Mittelpleistozän, folgen die Schichten mit Pithecanthropus erectus - der also ungefähr 300 000 Jahre alt sein dürfte -, von dem endlich 1937 bei Sangiran ein Schädel gefunden wurde, vollständig genug, um die menschliche Natur des so lange umstrittenen Fossils zu beweisen. Aus noch älteren Schichten konnten in Sangiran weitere Menschenreste geborgen werden, die wohl die ältesten sind, die wir bisher kennen - ungefähr 500 000 Jahre alt -. Da ist der Pithecanthropus modjokertensis (Modjokerto ist ein Platz in Ost-Java, dicht bei Surabaja), der noch ein außerordentlich primitives Gebiß und eine leichte "Affenlücke" besitzt; ein anderer Pithecanthropus ist durch ein Unterkieferstück angedeutet. Von beinahe Gorillagröße war der Unterkiefer des Meganthropus palaeojavanicus, der trotzdem erstaunlich menschenähnlich ist.