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Braunkohlen in der Türkei

Reul, K.

Kurzfassung

Die planmäßige Erforschung und Erschließung von Braunkohle-Vorkommen begann in der Türkei erst in jüngster Vergangenheit. Nach dem Stand der heutigen Untersuchungen betragen die wahrscheinlichen Gesamtvorräte 0,6-0,8 Mrd. t. Die Förderung an Rohbraunkohle erreichte 1954 2,1 Mio t, wovon 80% allein auf die westanatolischen Gruben Soma, Degirmisaz und Tuncbilek entfallen. Die regionale Verteilung der verschiedenen türkischen Braunkohle-Vorkommen läßt in groben Umrissen erkennen, wie eng bei begünstigendem Klima die Kohlebildung mit der tektonischen Entwicklung verknüpft ist. Eingehende Untersuchungen zeigen, daß die zahlreichen Vorkommen sich zwanglos in 3 genetische Grundtypen von Braunkohle-Becken einordnen lassen: 1. Vorübergehend verlandende Flyschtröge Das meist geringmächtige Flöz wird mehr oder weniger intensiv gefaltet. Mitunter sind Verschuppungen und kleine Deckenschübe beteiligt. Dementsprechend erreichen diese Braunkohlen hohe Inkohlungsstufen (hauptsächlich Glanzbraunkohlen). Die überwiegende Mehrzahl dieser Vorkommen läßt sich in das tiefere Eocän einordnen. Als Beispiele für diesen Bildungstypus werden die Verhältnisse in der Umgebung des Kirsehir-Kizil Irmak-Massives herausgegriffen, wo die Orogen-Stämme des Tauriden- und des Pontiden-Systems nach Süden und Norden auseinandergezwängt werden. Bis ins tiefste Eocän zeichnet sich hier weiträumig eine einförmige marine Entwicklung in Form von roten und grünen Schiefermergeln und Tonstein mit Sandbeteiligung ab. Mit zunehmender Differenzierung der Tröge wächst der Konglomeratanteil. Im Zuge dieser Bewegungen süßen einzelne Spezialbecken aus und laufen vorübergehend trocken. In solchen Gebieten tritt Braunkohle-Bildung ein. Die Braunkohle wird in der Regel bis zu einem Meter mächtig. Wenig Ausnahmen mit mächtigerer Flözbildung (bis zu 7 m) sind bekanntgeworden. Im Hangenden liegen Tonstein und Mergel, in welche sich häufig Kalk- und Kalksandstein-Linsen einschalten (Lutet). 2. Größere langlebige Senken (Innensenken und Vortiefen) Bei mächtiger Sedimentauffüllung dieser labilen Räume verzahnen sich marine und Brackwasser-Ablagerungen. Mehrere Flöze treten auf, aber nur im Randsaum der Becken. Das tektonische Merkmal ist die ausklingende Faltung mit Randbrüchen. Durchwegs handelt es sich um Hartbraunkohlen oligocänen bis miocänen Alters.