Original paper

Zur Erdölgeologie des Wiener Beckens

Wieseneder, H.

Kurzfassung

Das Wiener Becken stellt ein im Helvet angelegtes und durch zahlreiche Brüche ausgestaltetes Senkungsfeld dar. Die Beckenfüllung besteht aus Schichten des Helvets, Tortons, Sarmats, Pannons und Oberpliozäns. In allen Stufen sind Tonmergel und mehr oder weniger verfestigte Sande die vorherrschenden Gesteine. Etwa 25 Vol.% entfallen auf Sande und 60 Vol.% auf Tonmergel, der Rest besteht aus Konglomeraten und Lithothamnienkalken. Das Volumen der gesamten Beckenfüllung beträgt nach JANOSCHEK 11 390 km3. Die Aktivität der Brüche ist vom Torton an mit wechselnder Intensität nachzuweisen. Absenkung, Sedimentation, Bruch- und Ölfallenbildung fanden gleichzeitig statt und greifen in komplizierter Weise ineinander. Im ganzen Becken läßt sich an der Helvet-Torton-Grenze eine deutliche Diskordanz nachweisen. Kleinere Diskordanzen kommen auch innerhalb des Tortons, des Sarmats und des Oberpannons sowie an der Oberpannon-Oberpliozän-Grenze vor. Die Auffüllung des Beckens erfolgte vom Torton an durch Schuttlieferung der subalpinen Entwässerungsrinne (Urdonau) und aus dem Süden. Die maximale Mächtigkeit der Beckenfüllung beträgt nach seismischen Untersuchungen 5000 m. Die Lagerstätten zerfallen in die am Steinbergbruch gelegene Nordgruppe und in die Felder Matzen, Aderklaa, Süßenbrunn und Zwerndorf umfassende Südgruppe. Zur ersten Gruppe zählen die Felder Mühlberg, van Sickle, Neusiedl/Z., Gösting, RAG, Maustrenk, Gaiselberg (Rabensburg ist ein kleines neuentdecktes Feld östlich vom Steinbergbruch). Als Öl- und Gasfallen treten am Steinbergbruch halbdomförmige Schleppstrukturen in der Tiefscholle auf. Aderklaa und das Gasfeld Zwerndorf sind Hochschollenstrukturen an Brüchen. Matzen stellt das größte antiklinale Hochgebiet des Wiener Beckens dar. Produktive Horizonte finden sich im Flysch (begrabener Flyschberg von Neusiedl/Z., Gösting), im Helvet (Neusiedl/Z., Maustrenk, Matzen und Pyrawarth). Mühlberg und Matzen produzieren hauptsächlich aus dem Torton; Gösting, RAG, Gaiselberg und van Sickle vorwiegend aus dem Sarmat. Das Gasfeld Zwerndorf fördert aus dem Torton; Gashorizonte finden sich auch im Sarmat und Unterpannon der Felder Mühlberg und Matzen. Bis Ende 1956 wurden aus dem Wiener Becken nahezu 30 Mio. t Rohöl gefördert, davon nahezu 12 Mio. t aus dem Matzener Sand. Zur Zeit bestreitet Matzen fast 80% der gesamten Förderung des Wiener Beckens.