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Das Mesozoikum der niederösterreichischen Klippen

Bachmayer, F.

Kurzfassung

Ein kurzer Überblick führt uns die allgemeinen Verhältnisse Österreichs vor, wobei das Wiener Becken mit seinen Randzonen betrachtet wird (Waschbergzone = äußere Klippenzone). Das Mesozoikum der Waschbergzone besteht aus zwei stratigraphischen Einheiten (Kreide und Jura). Die jüngsten Schichtglieder der Kreide sind zunächst durch Danien (Bruderndorfer Schichten) vertreten. Es handelt sich um Glaukonitsandsteine, Mergelsandsteine und Nulliporenkalke. Alle diese Ausbildungsformen gehören sicher nur einer Zone an, denn häufig finden sich an einem und demselben Handstück Übergänge von glaukonitischem Sandstein oder Mergelkalk zu Nulliporenkalk. Fossilien finden sich zahlreich; am häufigsten kommt der Seeigel Brissopneustes vindobonensis KÜHN vor, weiters Hercoglossa danica (SCHLOTH.) und viele aridere Formen. Allem Anschein hat man es mit einer Seichtwasserfazies zu tun. Die nächstälteren Kreidesedimente sind Senon-Ablagerungen und bestehen aus einem stark glaukonitischen Tegel mit Belemnitella mucronata SCHLOTH. und Parapachydiscus. Dazu kommt eine reiche, das Senon-Alter bestätigende Foraminiferenfauna. Die Turon-Schichten bestehen aus glaukonitischem Sandstein und Mergel mit nur wenigen Makrofossilien (Inoceramus, Echinoconus, Scaphites geinitzi D'ORB. u. a.). Die Foraminiferenfauna ist wenig charakteristisch, doch bestätigt sie das oberturone Alter; aber eine sichere Einstufung ist noch nicht gelungen. Nur an einer Stelle bei Korneuburg ist Neokom erbohrt worden. Die Juraformation ist mit zwei Schichtenkomplexen des Oberen Malm vertreten. Der obere Komplex besteht aus einem weißen, splitterigen, z.T. sehr fossilreichen Kalk, dem "Ernstbrunner Kalk". Zwar ist sein Aussehen ziemlich gleichartig, wenn auch in den einzelnen Aufschlüssen mancherlei faunistische und fazielle Unterschiede zu erkennen sind. Es handelt sich um Ablagerungen eines Korallenriffes. Die Ablagerungen der Riffhalde (Riffschutt) und jene der Lagune lassen sich deutlich unterscheiden. Im Ernstbrunner Kalk tritt uns eine reiche, aus mehr als 500 Arten bestehende Fauna entgegen. Auch Algen (Codiaceen und Dasycladaceen) kommen vor und können sogar gesteinsbildend auftreten. Foraminiferen sind spärlich, Spongien nicht sehr artenreich; Hydrozoen sind nicht selten, insbesondere erweisen sich Ellipsactinien als charakteristische Bewohner des Riffes. Einen breiten Raum nehmen im Ernstbrunner Kalk die Korallen ein. Die große Masse derselben stellen die Amphiastreiden; aber auch Fungiden und Styliden sind recht zahlreich.