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Molassebecken und Ostvenezuela-Becken, ein erdölgeologischer Vergleich

Heermann, O.

Kurzfassung

Das Ostvenezuela-Becken, die tertiäre Vortiefe zwischen den Karibischen Küstenkordilleren im Norden und dem Guayana-Schild im Süden, hat im tektonischen und stratigraphischen Aufbau manche Ähnlichkeiten zum Molassebecken im Vorland der Alpen. Hierauf hat BENTZ (1949) auf Grund der ersten Veröffentlichungen nach dem Kriege über die inzwischen weit fortgeschrittene erdölgeologische Entwicklung des ostvenezolanischen Beckens hingewiesen. Durch die eingehende reflexionsseismische Untersuchung, die 1950 im östlichen Molassebecken einsetzte, bald darauf auch den Westen des Beckens bis zum Bodensee erfaßte, wurde der tektonische Bau an der Basis des Tertiärs (dem besten Reflexionshorizont) über größere Erstreckung in großen Zügen geklärt. Nach der ersten Gasfündigkeit in Ampfing (westlich Mühldorf) im Januar 1954 und der bald darauf erfolgten Erschließung eines produktiven Ölfeldes wurden im östlichen Molassebecken das Gas-Ölfeld Isen, das Gasfeld Gendorf sowie die heute in ihrer Ausdehnung noch nicht abgegrenzten Gasvorkommen von Steinkirchen-Weitermühle (westlich Ampfing), Hohenlinden und Albaching (dem bisher südlichsten, 40 km nördlich des Alpenrandes) aufgefunden sowie in der Westmolasse das Ölfeld Heimertingen. Diese Funde in der Ostmolasse, mit Ausnahme des aus einem Sand nahe der Burdigal-Basis fördernden Gasfeldes Gendorf, wurden in Sanden an der Basis des Tertiärs gemacht (Lattorf-Priabon) bzw. in Rupel-Sanden dicht über der Tertiärbasis. Damit ergaben sich für die weitere Aufschließung von Gas oder Erdöl neue Probleme, die in der Sicht der Erfahrungen im Ostvenezuela-Becken neue Linien in der weiteren erdölgeologischen Erschließung des Molassebeckens weisen. Das östliche Molassebecken wird durch das herzynisch streichende Landshut-Neuöttinger Hoch, eine schon im prä-tertiären Untergrund wirksame Schwelle, geteilt in das nördliche Braunauer Becken (BÜRGL 1948) und das innere Molassebecken im Süden. Letzteres, Hauptgegenstand erdölgeologischer Untersuchung, zeigt im tektonischen Bau überraschende Ähnlichkeiten zum Ostvenezuela-Becken mit ausgedehnten, ± West-Ost streichenden antithetischen Störungen. Alle bisherigen Funde in der Ostmolasse wurden auf tektonischen Hochstrukturen im Süden solcher antithetischer Störungszonen gemacht. Die Hoffnung von BENTZ (1949), daß sich im Süden des Molassebeckens ausgeprägtere Antiklinaltektonik, ähnlich den überschobenen Sätteln der Felder der Anaco-Gruppe im nördlichen Ostvenezuela-Becken, finden würden, hat sich bisher nicht erfüllt.