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Zur Paläontologie des mitteleozänen Ölschiefer-Vorkommens von Messel bei Darmstadt

Tobien, H.

Kurzfassung

Das durch Pflanzen-, Insekten- und Wirbeltier-Funde (Fische, Frösche, Schildkröten, Krokodile, Schlangen, Vögel und Säugetiere) bekannte mitteleozäne (lutetische) Ölschiefer-Vorkommen von Messel (9 km nö. Darmstadt) liefert auch gegenwärtig - allerdings infolge des seit mehreren Jahrzehnten mechanisierten Abbaues in geringerem Umfange als früher - noch Funde. (Ein Überblick über die bisher veröffentlichten Untersuchungen an der Messeler Flora und Fauna findet sich bei TOBIEN, H.: Die mitteleozäne Fossilfundstätte Messel bei Darmstadt. - Der Aufschluß, Jg. 6, S. 87-101. Roßdorf bei Darmstadt 1955.) Seitens der Paraffin- und Mineralölwerke Messel GmbH. werden jedoch in Erkenntnis der wissenschaftlichen Bedeutung des Vorkommens in dankenswerter Weise für gute Fundstücke Prämien an die Arbeiter gezahlt, so daß diese Fundquelle nicht ganz zum Versiegen kommt. Die Bergung und Konservierung der Fossilfunde ist infolge des beträchtlichen Wassergehaltes des Ölschiefers (40%) schwierig. Nach kurzer Zeit treten Schrumpfungsrisse auf und bei trockener Witterung ist der Fossilrest mitsamt dem Ölschiefer nach wenigen Stunden in kleinste Scherben und Bruchstücke zerfallen. Dieser Gefahr kann an Ort und Stelle durch Einlegen in Wasser begegnet werden. Für dauernde Konservierung der Funde, die in der geologisch-paläontologischen Abteilung des Hessischen Landesmuseums durchgeführt wird haben sich neuerdings zwei Verfahren bewährt: 1. Behandlung mit hochkonzentriertem Glyzerin, 2. die Lackfilm-Methode. Zu 1. Einer Anregung vom Präparator FINSTER (Landesmuseum Darmstadt) folgend werden Funde aller Größen, die vorher in frischem Zustande mit dem Messer oder der Säge formatisiert worden sind, mehrere Wochen in möglichst hochkonzentriertes Glyzerin (31 Beaumé-Grade) eingelegt. Das hierzu benötigte Glyzerin wird uns in überaus dankenswerter Weise von der Fettsäure- und Glyzerin-Fabrik, Mannheim, zur Verfügung gestellt. Dabei wird dem Ölschiefer offenbar sehr weitgehend Wasser entzogen, denn nach dem Abtrocknen in der Luft unterbleiben die Schrumpfungs- und Austrocknungserscheinungen. Die Objekte können dann teils direkt oder nach vorheriger Abdeckung aller Flächen mit Paraffin - die das Fossil aufweisende Fläche ausgenommen - der Sammlung einverleibt werden. Jedoch ist dieses Verfahren nicht bei allen Funden absolut wirksam. Bei manchen nichtparaffinierten Stücken treten, allerdings meist erst nach Monaten, doch noch kleinere Schrumpfungsrisse auf, die sich aber mittels Paraffin ausbessern lassen.