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Über Pseudotuffe. Ein Beitrag zur Petrographie und Nomenklatur der pyroklastischen Gesteine

Hentschel, H.

Kurzfassung

Der kulmische Deckdiabas des Dillgebietes enthält, wie zahlreiche Kernbohrungen der letzten Jahre erwiesen haben, vielfach Brekzien, die eine andere Genese wie Tuffe haben und daher nicht als solche bezeichnet werden können. Die Fragmente dieser Brekzien, etwa zwischen Faust- und mm-Größe schwankend, bestehen aus diabasischer Substanz, die ursprünglich vorwiegend glasig, z. T., bei Mikrobrekzien, auch vollglasig erstarrt ist. Eine Besonderheit dieser Brekzien ist neben anderen charakteristischen Eigenschaften die, daß benachbarte scharfkantige Fragmente, obwohl sie durch ein bis mehrere mm breites Band des verkittenden Zements getrennt sind, oft aneinanderpassen, also ursprünglich zu einem Stück zusammengehörten. Die Fragmentbildung kann daher nur in situ geschehen sein. Gesteine dieser eigenartigen, im rezenten subaerischen Milieu unbekannten Bildung sind also keine echten Tuffe, obwohl sie bei flüchtiger Betrachtung ganz wie diese aussehen. Diese Pseudotuffe aus dem Deckdiabas der Dillmulde sind ungeschichtete Gesteine, die inmitten des massiven dichten Diabases ohne erkennbare Gesetzmäßigkeiten mit Mächtigkeiten von dm bis zu mehreren Metern, ja Meterzehnten auftreten. In der Regel grenzen diese Brekzien allerdings an Diabase mit Pillowstrukturen. Da selbst bei lückenlosen Bohrkernprofilen sich der bis mehrere Hundert Meter mächtige Deckdiabas nicht sicher oder nur selten in einzelne Lager- oder Eruptionseinheiten gliedern läßt, obwohl er aus solchen aufgebaut sein dürfte, bleibt auch unerkennbar, welcher Teil oder welche Teile eines Eruptionskörpers der Brekziierung anheimgefallen sind. Das weiße grobkristalline Zement zwischen den dunkelgrünen, vorwiegend chloritischen Fragmenten besteht überraschenderweise oft nicht vorherrschend aus Calcit, sondern wesentlich aus Analcim und Prehnit mit nur wenig Calcit, gelegentlich sogar mit etwas Quarz. Dieses Zement ist als postbrekziöser Infiltrationsabsatz anzusehen. In dieser Hinsicht unterscheiden sich die Brekzien aus dem Deckdiabas der Dillmulde von den sonst der Beschreibung nach ähnlichen tertiären Pépériten der Auvergne, für die bei sicherlich verwandter Bildungsgeschichte pelitisches, meist karbonatisches Sediment als Zementsubstanz angegeben wird. MICHEL-LEVY (1890), LACROIX (1930) u. a. deuten die Pépérite als in-situ-Zerberstungsprodukte infolge schroffer Abschreckung basaltischer bis andesitischer Laven bei Intrusion (besser gesagt Subeffusion) in feuchte subaquatische Sedimente.