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Geologische und pollenanalytische Untersuchungen in der Tertiärmulde von Glimmerode/Hess.-Lichtenau

Brosius, Marita

Kurzfassung

Das Tertiärgebiet von Glimmerode liegt im Grabenknotengebiet von Hessisch-Lichtenau (25 km südöstlich Kassel). Das Vorkommen ist sehr klein: Es ist eine Mulde von etwa 2,5 km Länge und 0,5 km Breite. Bis zu 370 m Tiefe wurden durch Bohrungen sichere tertiäre Sedimente nachgewiesen. Die Schichtfolge der Glimmeröder Tertiärmulde baut sich aus folgenden, durch Diskordanzen getrennte Abteilungen auf: 1. einer unteren, etwa obereocänen bis mitteloligocänen Sedimentfolge, die 5 Braunkohlenflöze einschließt, 2. dem mit einem Transgressionskonglomerat beginnenden oberoligocänen Kasseler Meeressand, 3. einer miocänen Sandfolge mit einem Kohlenflözchen, 4. einem Schottersediment (miocän oder altpliocän), auf dem der Basalt der Kuhkoppe lagert. Durch pollenanalytische Untersuchungen konnten Flöz IV und III von Glimmerode mit dem Borkener Hauptflöz parallelisiert werden. Sie zeigen pollenstratigraphisch das "Borkener Bild" (obereocän - unteroligocän). Flöz II und I dagegen zeigen große Übereinstimmung in ihrem Pollenbestand mit der Kohle von Heskem und dem "obersten Flözchen" von Borken, dem "Heskemer Bild" (Melanienton, Mitteloligocän). Der oberoligocäne Kasseler Meeressand, bislang irrig für Septarienton gehalten, konnte durch reiche Mikro- und Makrofauna belegt werden. Eine miocäne Sporomorphenvergesellschaftung (rheinisches Bild) zeigt das kleine Flöz in den dem Kasseler Meeressand auflagernden Sanden. Für die Entstehung und Gestaltung der tiefen Braunkohlenmulde (Einfaltung und Querstörung) wird, neben saxonischer Tektonik, Zechsteinsalzauslaugung im Untergrund als Ursache vermutet, die durch eine vom Sontraer Grabensystem vorgezeichnete Klüftung des Deckgebirges begünstigt wurde.