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Die geologische Entwicklung des Schwarzwald-Grundgebirges unter Berücksichtigung neuer absoluter Altersbestimmungen.

Mehnert, K. R.

Kurzfassung

Die petrographische Untersuchung des Schwarzwälder Grundgebirges hatte bisher nur eine relative Altersfolge der prävariskischen und zum Teil auch der variskischen Gesteine ergeben. An Hand von Altersbestimmungen an 14 Gesteinsproben nach der K-Ar-Methode wurde diese bisherige Altersfolge überprüft. Die Methode wurde (in Zusammenarbeit mit dem Physikalischen Institut der Universität Freiburg) zunächst an einfach zusammengesetzten Gesteinen (Graniten, Pegmatiten, Porphyren) auf ihre Genauigkeit geprüft. Die Reproduzierbarkeit liegt bei etwa ± 5%. Die Streuung der Werte hängt vom Zersetzungsgrad der K-Minerale ab (Ar-Verlust). Völlig frische, einaktig entstandene Gesteine geben innerhalb der obigen Fehlergrenze Werte, die ihrer bisherigen relativen Alterseinstufung entsprachen. So ergaben Proben von variskischen Pegmatiten, Granitporphyren und normal differenzierten Graniten Werte zwischen 250 und 270 Millionen Jahren. Die durch Granitisation beeinflußten oder völlig umgewandelten Gneise ergaben Werte zwischen 280 und 310 Millionen Jahren. Damit ist nachgewiesen, daß die regionale Granitisation der Schwarzwaldgneise frühvariskisches Alter hat und daß die am höchsten mobilisierten granitoiden Gesteine ("Diatexite") an die frühesten hybriden Intrusionen der variskischen Magmen ("Syenite") genetisch anzuschließen sind. Die prävariskischen metamorphen Gesteine ergaben demgegenüber nicht ihr wahres Alter, sondern ein durch die Wirkungen der Granitisation "verkürztes" Alter (Ar-Verlust während der Granitisation). Aus Analogieschlüssen zu entsprechenden Bildungen im Moldanubikum Böhmens, Sachsen u. a. wird angenommen, daß die Sedimentation der Paragneise (Renchgneise) algonkisches Alter hat und daß die Metamorphose der Paragneise sowie die Bildung der Orthogneise (Schapbachgneise) und Mischgneise in die assyntische Orogenese zu legen sind.