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Das Alter der Eruptionen am Limberg (Kaiserstuhl).

Tobien, H.

Kurzfassung

Kleinsäugerfunde aus Tuffen des Limberges, eines eigenen, dem Kaiserstuhl nordwestlich vorgelagerten Vulkanbaues, erweisen burdigales Alter. Die Tuffe t0, t3 sowie eine Tufflinse im Limburgitstrom lambda1 enthalten neben Schildkröten-, Lacertilier- und Vogelresten vor allem Insectivoren und Nager. Unter den etwa 14 Mammalier-Arten befinden sich die Nager Prolagus vasconiensis, Melissiodon, Ligerimys sowie ein kleiner, dem Cricetodon brevis nahe verwandter Cricetodontide. Sie definieren in erster Linie das obige Alter, wobei die Entwicklungshöhe des hasenartigen Prolagus auf jüngeres Burdigal hinweist. Die erwähnte Kleinsäuger-Assoziation findet sich sowohl im liegenden wie im hangenden Tuff (t0 bzw. t3), biostratigraphisch sind die Limberg-Eruptionen daher altersgleich. Die bisherigen Datierungen - Obermiozän, evtl. mit Helvet als unterer, Sarmat als oberer Grenze (z. B. PFANNENSTIEL 1933) - gründen sich auf ältere, z. T. vage Schneckenbestimmungen, die demgegenüber nicht ins Gewicht fallen dürften. Die Säugerreste finden sich in Tuffen, die subaerisch aufgeschüttet sind (keine klastischen oder karbonatischen Sedimente, keine Wasserbewohner in der Fauna), dann verschwemmt und wohl mehrfach umgelagert wurden, wobei die Zerstückelung der von Eruptionen erfaßten Kleinsäuger erfolgte: Ein in Deutschland bisher nur aus dem Vogelsberg bekannter Typus einer Säugerlagerstätte (TOBIEN, diese Zschr., 105, S. 588). Aus dieser Altersdatierung ergeben sich neben Konsequenzen lokaler Art (z. B. Alter des Limberg-Grabens) einige regional geologische Hinweise: 1. Nach petrographischen Daten ist der Limberg-Vulkanismus gegenüber dem des Kaiserstuhles jünger. Da die Jüngsten prävulkanischen Sedimente im Kaiserstuhl als chattisch erkannt wurden (HASEMANN & HEINEMANN 1957), bleibt für dessen Alter Aquitan bzw. Burdigal, das älter ist als das des Limberges. 2. Im gliederreichen Profil des Limberges ist ein 15 m mächtiger Komplex sedimentären Tertiärs eingeschaltet (JÖRG 1951), das hiernach in das jüngere Burdigal gehört. Er erweist, daß auch im südlichen Rheintal zumindest stellenweise die Sedimentation noch im Miozän - möglicherweise nur in den inneren Teilen des damaligen Grabens - weitergegangen ist.