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Junge Tektonik im Schwarzwald-Kristallin und ihre Abbildung.

Paul, W.

Kurzfassung

Der mittlere und der südliche Schwarzwald sind heute weithin (auf rund 2500 km2) ihrer einstigen, bis auf die untere Trias zurückreichenden Sedimentdecke beraubt. Es erschien daher lange Zeit ziemlich schwierig, postpaläozoische oder gar postmesozoische Krustenbewegungen in Vorhandensein, Ausmaß und Alter zu erkennen und kartographisch darzustellen. Dementsprechend boten diese Gebirgsteile in den geologischen Übersichtskarten bis in die jüngste Zeit hinein das Bild ausgedehnter, vom Oberrheingraben auswärts geneigter, im übrigen aber durch Bruchtektonik kaum Versehrter Pultschollen. Die schon lange bekannten Verebnungen (Hochebenen, Kammebenen und Gipfelflächen) dieses kristallinen Schwarzwaldes, deren Deutung und Datierung bisher umstritten waren, erweisen sich bei eingehender Untersuchung als verhältnismäßig junges, bei der Freilegung der spätpermisch-frühtriassischen Landoberfläche vor allem durch die besonders leistungsfähige subnivale Denudation der pleistozänen Kaltzeiten zustande gekommenes Produkt. Aus einer ursprünglichen, in erster Näherung weithin schwebend gelagerten Einheit jener Strukturfläche ist ungefähr gleichzeitig mit ihrer Freilegung durch junge Krustenbewegungen die heutige Vielheit geworden, in der sich Umrisse und Lagerung eines reichen Bruchschollenmosaiks widerspiegeln. Eine auf diese Eigenschaft der Verebnungen des kristallinen Schwarzwaldes gegründete Krustenlagerungskarte des Mittleren Schwarzwaldes zwischen Kinzigmulde und Bonndorf er Graben erbringt oder stellt dar die folgenden bedeutenderen Erkenntnisse: 1. Der kristalline Teil des Mittleren Schwarzwaldes bildet keine Pultscholle und keinen Halbhorst in dem herkömmlichen Sinne, sondern ein Bruchschollenmosaik, dessen streichende Kulmination sich nicht nahe der sog. Hauptverwerfung, sondern weit im Osten als Sockel der dortigen Schichtstufenlandschaft befindet. 2. Dieses Bruchschollenmosaik stellt eine Nachbruchzone zwischen mobileren Streifen zum Oberrheingraben hin dar, der hier somit heute seine Ostgrenze um 20 km bis fast vor die Schichtstufentreppe vorgetrieben hat. 3. Jene mobileren Streifen sind im N die Verlängerung des Rotliegendtroges von Sulz-Oberndorf-Schramberg, in welcher sich bezeichnenderweise die vier schon im Spätperm angelegten Keilgräben von Schramberg-Königsfeld, Triberg-Hornberg, Furtwangen-Prechtal und Wildgutach befinden, im S der Bonndorfer Graben, dessen Durchlaufen von der Freiburger Bucht bis zum Bodensee mit durch die vorliegende Kartierung erwiesen ist.