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Neuere Erkenntnisse über den Raum der Mauerer Neckarschlinge.

Becksmann, E.

Kurzfassung

Vor 50 Jahren belohnte der Fund einer Mandibel des Homo heidelbergensis bei Mauer die aus der Problemlage seinerzeit verständliche jahrzehntelange Suche des Anatomen SCHOETENSACK. Die nunmehr gesteigerte Aufmerksamkeit brachte eine Erweiterung der Faunenliste. Durch GG. WAGNER eingeleitet, begann man, dem Ablauf des Geschehens innerhalb der ehemaligen Neckarschlinge nachzugehen. Die kurz vor Kriegsausbruch einsetzende intensive Untersuchung führte zu folgenden wesentlichen Erkenntnissen: 1. Nur der Südteil der Mauerer Neckarschleife ist reines Flußwerk. Der Nordteil mit seinen parallelen Schenkeln ist tektonisch angelegt (Horst). 2. Die Felssohle besitzt durchlaufendes Gefälle. Daher entfällt nunmehr die Annahme, daß die ausklingende Aufwölbung des Odenwaldes Ursache der Aufschüttung der Mauerer Sande war ("tektonische Schotterfalle"). 3. Die 35 m mächtigen Mauerer Sande sind eingeschachtelt in kalkgeröllfreie Sande und Kiese des ausgehenden Pliozäns, deren Basis etwa der der Mauerer Sande entspricht. Der Rückgang in der durchschnittlichen Größe der Knochenfunde mit dem Abbau des Sandes am "Grafenrain" von SE nach NW wird aus der jetzt ersichtlichen Topographie des Neckarlaufs zur damaligen Zeit verständlich. 4. Da auch im Maintal eine gleiche frühpleistozäne Verschotterung vorliegt, muß eine früher angenommene lokale tektonische Ursache (Schollenhebung am Ausgang des Neckars aus dem Odenwald) aufgegeben werden. 5. Im Unterlaufgebiet des Neckars war die Tiefenerosion schon an der Wende Pliozän-Pleistozän praktisch beendet. Ebenso war die Aufwölbung des Odenwaldes im Pliozän abgeschlossen. Ältere Konstruktionen und Datierungen von Neckarterrassen im Odenwald sind nicht mehr haltbar. Im Mittel- und Oberlaufbereich halten die Krustenbewegungen im Pleistozän an, ebenso natürlich die Tiefenerosion. Wissenschaftliche Sitzungen am 6. September 1957