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Zur Tektonik und Petrogenese des Sächsischen Erzgebirges.

Schmidt, K.

Kurzfassung

Der Gneiskern des Sächsischen Erzgebirges gliedert sich in zwei große Baueinheiten: Die parakrate Graugneisgruppe und die Orthogesteine der Rotgneisgruppe. Die erste ist durch eine weitgehend isocheme Umkristallisationsmetamorphose aus mächtigen, wahrscheinlich jungalgonkischen bis unterkambrischen Grauwacken-Tonschiefer-Abfolgen entstanden. Die Rotgneise drangen als spättektonische Magmatite in ein mindestens mesozonal-metamorphes "Graugneisgebirge" ein und haben in phyllitischen Gesteinen vereinzelt die Bildung von Knotenhornfelsen hervorgerufen. Die sog. "Granitgneise" des Osterzgebirges sind keine Rotgneise (PIETZSCH 1953), sondern homophane, einschlußreiche Hybridgranodioritgneise, die entweder als Diatexite der Graugneisgruppe oder als syntektonisohe variszische Intrusivkörper aufgefaßt werden können. Im Verlauf der variszischen Tektogenese sind beide Gneisgruppen einer Kinetometamorphose unterworfen worden, bei der in weiter Verbreitung Blastomylonite mit S-, B- und R-tektonischem Gepräge entstanden. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind die prävariszischen Strukturen bei dieser Umprägung weitgehend verlorengegangen. Die variszische Metamorphose hat in den höheren Etagen des Gebirges eine starke Albit-Oligoklasneusprossung bewirkt, die von den Oberen Graugneisen, durch die Glimmerschieferhülle bis in die hangenden Phyllite hinein zu verfolgen ist. Der Umfang der variszischen Stoffmobilisation ist nicht sicher zu bestimmen, da die im mittleren Erzgebirge verbreiteten metatektischen Gesteine wenigstens zum Teil prärotgneisgranitisch oder im Zusammenhang mit der Rotgneisintrusion entstanden sein können. Der Kuppelbau des Gebirges ist tektonisch angelegt und durch die variszische Intrusion weiter ausgestaltet worden. Gefügemäßig ist zwischen den Graugneisaufwölbungen, in deren Kern Granite nachgewiesen sind, und den Rotgneiskuppeln kein Unterschied festzustellen. Allem Anschein nach wird auch die Zschopauer Glimmerschieferaufwölbung von einem jungen Granitkörper unterlagert.