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Kleintektonische Beobachtungen und Probleme am Nord- und Ostrand der Hohen Tauern.

Schwan, W.

Kurzfassung

Diese Untersuchungen, die in den Tauern 1954 und 1956 durchgeführt wurden, hatten zum Ziele: 1. Beobachtungen zur Frage des Deckenbaues in den Ostalpen zu sammeln und 2. alpine Strukturen mit variszischen in Mitteldeutschland zu vergleichen. Nach kurzer Übersicht über den Aufbau des Raumes (Stratigraphie und Baueinheiten) und Andeutung der heutigen Auffassung werden Bilder von Kleinstrukturen gezeigt. Es gibt darunter N- und S-vergente Formen, aber auch W- und E-gerichtete. Also auch hier gibt es, wie an anderen Stellen des Alpengebietes, Querfalten. Der Tauernkomplex tritt als selbständiger Körper aus dem Gesamtbau hervor. Nach den vorliegenden Beobachtungen bleiben zwei Möglichkeiten der Deutung für die NE-Umrandung der Tauern: 1. Die alte Auffassung der Deckentheorie, einer Überwanderung des Tauernraumes als Fenster durch ostalpine Einheiten. 2. Eine weniger weite N-gerichtete Vorwanderung der Bandeinheiten, indem größere Zonen in sich Deckenbau zeigen, der aber nicht das ± ganze Ostalpenprofil einheitlich überspannt, sondern den jede der Einheiten für sich besitzt, etwa so, daß die N-Kalkalpen schon durch starken Stau nördlich des Hohen-Tauern-Raumes vor der Grauwackenzone N-vergent zusammengeschoben und örtlich rückbewegt wurden. Mehr als diese Aussagen lassen sich auf Grund der vorliegenden Aufnahmen nicht machen. In jedem Falle aber besteht Deckenbau, der als Typ in vollem Gegensatz zum ± autochthonen Falten- und Schuppenbau des mitteldeutschen Variszikums steht. Gerade dieser Gegensatz ist hervorzuheben, denn er zeigt, daß schon für diese beiden Gebiete keine gleichen Bauschemata sondern verschiedene bestehen.