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Probleme tieferer Grundwasserstockwerke.

Becksmann, E.

Kurzfassung

Die einmalige Dichte der Wassererschließungen in dem Jahrzehnt nach dem Krieg brachte viele wichtige geologische Erkenntnisse. So ergab sich z. B. im östlichen Randgebiet, daß im Bindemittel der Sandsteine der Buntsandstein-Formation, sofern sie noch nicht ausgelaugt sind, Kalk, Gips und Salze enthalten sind. Mit zunehmendem Lösungsinhalt zeigen die Buntsandsteinwässer, bedingt durch begrenzte Löslichkeit von Kalk und Kalk + Gips, eine systematische Verschiebung ihres Chemismus, die das Maß der Auslaugung widerspiegelt. Die Vormacht des NaCl wird örtlich durch Glaubersalz erheblich eingeschränkt, das primär ist und zu seiner Entstehung nicht eines heute vor sich gehenden Ionenaustausches bedarf. Die hydrochemisch erfaßbare Beweglichkeit des Grundwassers nimmt nun nicht an einer scharfen Grenze Fließwasser-Tiefenstandwasser, sondern innerhalb einer u. U. recht ausgedehnten Grenzzone ab. Das zeigt sich auch beim Muschelkalk, wo eine Linie aufsteigender Quellen die Verkarstungsfront des tieferen Stockwerks markiert. Überraschend ist, daß Mineralwässer teilweise schon recht oberflächennah angetroffen werden, andererseits aber Wässer recht schwacher Konzentration bis in erhebliche Tiefe erbohrt werden können. Der erste Fall ist i. a. aus der Schichtlagerung ("gefangenes" Grundwasser) leicht verständlich. Um den zweiten Fall zu verstehen, ist die Einsicht nötig, daß die untere Grenze der Bewegung im Grundwasser nicht durch die Lage des Vorfluters gegeben ist. Je ausgeprägter das Relief, um so größer ist der für Grundwasserzuwachs verfügbare Speicherraum, und je größer der zeitweilige Grundwasserzuwachs, um so mehr müssen die Stromlinien im Grundwasser aus physikalischen Gründen nach der Tiefe ausholen. Der Tiefgang der Grundwasserbewegung ist also schwankend. Wie sich das auswirkt, wird an einem geologisch-hydrochemischen Profil Mosbach-Auerbach (Quellen und Bohrungen) gezeigt. Am geringsten ist die Tiefenwirkung des Grundwassers bei flachem Relief. Auf einige geologische Folgerungen wird hingewiesen.