Original paper

Das Vulkanfeld Bir Sani-Hosh-ed-Dalam in der Republik Sudan

Putzer, H.

Kurzfassung

Als Fremdling durchfließt der Nil den Ostteil des ungeheuren nordafrikanischen Wüstengürtels, die Nubische Wüste. Im nördlichen Sudan bildet der Strom zwischen dem 16. und 22. Breitengrad einen S-förmigen Doppelbogen, bedingt durch jugendliche Aufbiegungen im kristallinen Gerüst Nordost-Afrikas (die Stromschnellen des 3., 4. und 5. Kataraktes liegen auf einer NW-SE streichenden Schwellenachse!). In der südlichen Schlinge des Nil-Bogens liegt die Baiyuda-Steppe: im Norden ein Hügelland aus kristallinen Gesteinen des Algonkiums, das nach Westen und Süden in das von der Nubischen Serie (Oberkreide?) eingenommene Tafelland übergeht. In der Mitte der Baiyuda-Steppe erheben sich jungvulkanische Gebirgsmassive. Der Boden der Ebenen ist mit Flugsand und Kies bedeckt; im Bergland fehlt jede Bodenbildung: nackter Fels, überzogen mit schwarzen Wüstenrinden, und ausgedehnte Steinfelder stehen zu Tage an. Die Baiyuda-Steppe ist nur von wenigen Nomaden-Arabern bewohnt. Straßen und Flüsse fehlen. Eine Durchquerung kann nur mit wenigstens zwei geländegängigen Fahrzeugen, unter Mitnahme von Wasser- und Benzinvorräten, unternommen werden. Im Tertiär ist im Gebiet des großen Nil-Bogens die Erde aufgerissen. Die NNW streichenden Spalten sind denen des Roten-Meer-Grabens und des 2000 km westlich gelegenen Djofra-Grabens in Libyen parallel. Basaltische Ergußgesteine haben weite Vulkanfelder aufgebaut, deren noch vorzüglich erhaltene Krater, Vulkankegel und Aschendecken Zeugen einer erst vor kurzem erloschenen Vulkan-Tätigkeit darstellen. Die Basalt- und Aschenvulkane von Bir Sani-Hosh-ed-Dalam (= Hosh ed Dom) und El Howeya (nördl. Baiyuda-Siedlung) liegen im Kristallin, während das südlich gelegene Vulkanfeld El Fura-Wadi Muheit an der Grenze der Nubischen Serie zum Kristallin entstanden ist.