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Die floristische Gliederung des Oberkarbons der Vereinigten Staaten von Nordamerika

Bode, H.

Kurzfassung

1. Einleitung Von europäischen Gesichtspunkten aus erscheinen uns die stratigraphischen Verhältnisse im Oberkarbon der Vereinigten Staaten von Nordamerika sehr unübersichtlich, und der Vergleich der dortigen Ablagerungen mit denen in Europa bereitet auch heute noch Schwierigkeiten. Das hat mehrere Gründe. Der eine ergibt sich aus der großen räumlichen Ausdehnung der amerikanischen Steinkohlenlagerstätten. Diese erstrecken sich durchweg über eine ganze Anzahl von verschiedenen Staaten, und in jedem dieser Staaten sind die Bearbeiter zunächst mehr oder weniger selbständig und ohne engere Fühlungnahme miteinander vorgegangen. Es gibt deshalb in der amerikanischen Literatur eine Fülle von Lokalnamen, meist indianischen Ursprungs, die für die Amerikaner selbst vielfach kaum verständlich sind, uns aber gar nichts sagen und im ganzen die Übersicht sehr erschweren. Darin ist erst in den letzten Jahren ein Wandel eingetreten, indem allmählich einheitliche Gliederungen entstanden sind, die jetzt mehr oder weniger allgemein benutzt werden. Wichtiger scheint zu sein, daß in den Vereinigten Staaten die vergleichende Karbonstratigraphie bisher stark vernachlässigt worden ist. Das gilt besonders für die angewandte Paläobotanik, die sich auch heute noch im wesentlichen auf die Arbeiten von LESQUEREUX bezieht, dessen Beschreibungen und Bestimmungen, wie die Amerikaner selbst zugeben, revisionsbedürftig sind. (Vgl. die Bemerkung von DARRAH in der Fußnote auf S. 394 der Veröffentlichung von W.J. JONGMANS (1937) über das Karbon von West Virginia.) Viele in Europa wichtige Pflanzenarten erscheinen in der amerikanischen Literatur gar nicht, weil ihre stratigraphische Bedeutung nicht erkannt ist bzw. sie unter anderen Namen beschrieben sind. Es wird dadurch eine Verschiedenheit vorgetäuscht, die, wie sich allmählich ergeben hat, in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Auch die Arbeiten von D. WHITE, des besten Kenners der amerikanischen Karbonflora, haben daran nur wenig geändert. JONGMANS & GOTHAN (1934) haben über den Stand der angewandten Paläobotanik in den Vereinigten Staaten ein wenig schmeichelhaftes und im ganzen wohl nicht unbedingt zutreffendes Urteil gefällt. Sie schreiben (S. 17): "Wenn man dabei dann überlegt, wie mangelhaft die meisten amerikanischen Abbildungen sind, wie relativ wenige Arbeiten mit Abbildungen versehen sind - die meisten enthalten nur Listen mit vielen Namen, welche uns keinen Anhalt geben ein Urteil zu bilden, - wie verworren die Nomenklatur ist, durch das nicht Zusammen-, sondern Nebeneinander-Arbeiten der amerikanischen und europäischen Paläobotaniker -, dann wird es jedem deutlich sein, daß jeder Versuch ohne eigene Anschauung sehr schwer, wenn nicht unmöglich war"