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Der geologische Bau des zentralen Vorspessarts

Murawski, Hans

Kurzfassung

Die Grundgebirgsgeologie arbeitet im wesentlichen in zwei Methodenkreisen, um Aussagen über Aufbau und Genese der einzelnen Grundgebirgskomplexe machen zu können. - Die eine Methodengruppe geht von der Erfassung des stofflichen Bestandes des zu untersuchenden Gebietes aus. Ziel dieser petro-analytischen Arbeit ist es, dem heute erfaßbaren petrographischen Bild das Bild der Ursprungsgesteine (Edukte) gegenüberzustellen und den Weg vom primären Gestein zum Umwandlungsprodukt stofflich und genetisch festzulegen. Die Fragen der Genese werden also hier vom rein Stofflichen her beantwortet. - Die zweite Methodengruppe lenkt das Interesse auf den Bau des Gebietes und versucht, das heutige tektonische Bild nach einzelnen Prägungsakten und -zeiten aufzulösen. Durch eine Vielzahl tektonisch-analytischer Untersuchungen erfolgt dabei nach Möglichkeit auch eine Entzerrung nach der Zeit. - Das ideale Arbeitsziel wäre es, die Ergebnisse beider Arbeitskreise in Synthese zusammenzufassen, um auf diese Weise das Bild der Genese irgendeines Grundgebirgskomplexes so weit wie möglich zu klären. Andererseits sind die einzelnen Methoden in den verschiedenen Grundgebirgskomplexen von durchaus unterschiedlichem Wert; teilweise erscheinen ganze Methodengruppen nur in geringem Maße oder gar nicht anwendbar. So wird z. B. die Anwendung rein tektonischer Methoden - d. h. also der Methoden, die sich mit dem Bau des Gebirges befassen - im Schwarzwälder Kristallingebiet großen Schwierigkeiten ausgesetzt sein, wenn auch gewisse Großbeziehungen schon seit längerer Zeit bekannt oder auch kleinere geschlossene Einheiten (z. B. die Granitmassive) überprüft worden sind. Der Grund für diese Schwierigkeiten liegt darin, daß die Erreichung hoher Metamorphosegrade und die Wirkungen anatektischer Vorgänge vielfach die Dokumente des älteren Baues vollkommen verwischt haben. Hier dagegen kann die stoffliche Analyse in erfolgversprechender Weise eingesetzt werden, wie vor allem die grundlegenden Untersuchungen von D. HOENES und K. R. MEHNERT gezeigt haben. Daraus ergibt sich schon, daß die bauliche (tektonische) Analyse im Grundgebirge nur da erfolgversprechend angesetzt werden kann, wo die Metamorphose doch wenigstens einen reproduzierbaren Teil der Zeugen früherer tektonischer Ereignisse geschont hat.