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Bericht über das 8. Kolloquium der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik in Salzburg

Heitfeld, K.-H.

Kurzfassung

Am 24. und 25. Mai 1957 fand in Salzburg das Kolloquium der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik statt. Die Arbeitsgemeinschaft, die 1957 zum 8. Male tagte, hat sich das Ziel gesetzt, ein Gebiet weiter zu erarbeiten, das den praktischen Geologen und den Bauingenieur gleichermaßen interessiert. Es handelt sich um Fragen des Gebirgsdruckes, der Standsicherheit von Felsanschnitten bei Baugruben, Straßen- und Bahneinschnitten usw. und den Mechanismus der Spannungsübertragung und Ableitung im Gebirge. Während in der Bodenmechanik dem Bauingenieur eindeutige Kennziffern als Berechnungsgrundlage für die Bauwerke geliefert werden, weiß der Bauingenieur bei Bauarbeiten im anstehenden Gebirge vielfach mit den Angaben des Geologen nicht viel anzufangen. Hier gilt es nicht nur, eine Kluft zwischen den beiden Disziplinen zu überbrücken und das gegenseitige Verständnis zu fördern, sondern ein völlig neues Arbeitsgebiet zu erschließen. Die Geomechanik muß von Bauingenieuren und Geologen gemeinsam erarbeitet werden. Die von Prof. STINI , Prof. Ros und Dr. MÜLLER, Salzburg, ins Leben gerufene Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik (Veröffentlichungen in der Zeitschrift "Geologie und Bauwesen", Springer-Verlag, Wien) hat auf diesem Gebiet bereits einige grundlegende Erkenntnisse erarbeitet. Die Tagung 1957 stand unter dem Motto: "Das geologische Detail." Im wesentlichen wurde über Arbeiten aus dem österreichischen Raum berichtet. Zu Beginn sprach Dr. FUCHS, Innsbruck, über die Entwicklung der Gefügekunde im Tunnelbau. Der Vortragende gab einen Überblick über die Methoden und die Technik der gefügekundlichen Aufnahmen. Er schlug vor, bei den geologischen Aufnahmen im Tunnelbau eine Gliederung der Gesteine nach gefügekundlichen Daten vorzunehmen. Zur Ergänzung der speziellen Aufnahmearbeiten am Objekt empfahl der Vortragende fotogeologische Untersuchungen, wobei er zur besseren Erkundung von Reliefunterschieden Aufnahmen bei verschiedener Beleuchtung (Vormittags-Nachmittags-Aufnahmen) und stereoskopische Betrachtung vorschlug. Dr. FUCHS führte zahlreiche Beispiele für die Bedeutung der Gefügekunde in der Baugeologie an. Zum Beispiel ist es häufig möglich, durch Vergleiche der Gefügeaufnahmen anstehendes und nicht anstehendes Gebirge zu unterscheiden oder Bewegungen im Gehänge festzustellen. Vielfach läßt sich eine Orientierung der Bohrkerne nach gefügekundlichen Daten vornehmen. Zum Schluß wurde das Aufnahmeergebnis mit den Feststellungen beim Bau verglichen.