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Die wirtschaftliche Lage und die wirtschaftlichen Aussichten des deutschen NE-Metall-Erzbergbaus.

Friedensburg, F.

Kurzfassung

Der Preissturz für Blei und Zink auf den Weltmärkten hat auch den bundesdeutschen Erzbergbau schwer betroffen, der in diesen beiden Metallen rd. 40 bzw. 60% des inländischen Bedarfes deckt und auch im weltwirtschaftlichen Maßstabe mit einem Beitrag von 3-4% der Weltförderung durchaus Beachtliches leistet. Entgegen weitverbreiteten Auffassungen handelt es sich bei den deutschen Vorkommen um ausgedehnte und teilweise auch recht reiche Lagerstätten, deren Vorräte bis in die jüngste Zeit durch Neuerschließungen immer noch vergrößert werden konnten. Lagerstätten, wie die des Rammelsberg bei Goslar, finden auch im überseeischen Auslande nur selten ihresgleichen. Mit einer Beschäftigtenzahl von 7000 bis 9000 Mann und einem jährlichen Produktionswert von 100-150 Mill. DM bedeuten die hier tätigen 18 größeren Grubenbetriebe einen keineswegs zu vernachlässigenden Bestandteil der deutschen Montanwirtschaft. Fast alle sind aber zur Zeit durch den seit einem Jahre zu beobachtenden Preisrückgang in ihrem Fortbestehen bedroht. Während Anfang 1957 für Blei DM 1334,45 je t, für Zink DM 1194,11 je t erzielt wurden, betragen die Preise Mitte April 1958 nur noch DM 848,88 bzw. DM 720,69 je t, für Blei also nur etwa 64% und für Zink 60% des Standes vor 15 Monaten, der seinerseits etwa dem Durchschnitt der Jahre 1950-1956 entsprach. Da fast alle Gruben zu größeren Gesellschaften gehören, die gleichzeitig auch die Metallverhüttung und die Weiterverarbeitung betreiben bzw. mit sonstigen Großunternehmen gekoppelt sind, hat die Krisis bisher nur zu Teilstillegungen geführt, mit Ausnahme der seit 2000 Jahren betriebenen großen Bleierzgrube Mechernich, wo der Preisrückgang nur den schon seit längerer Zeit anhaltenden Verfall besiegelte. In den meisten Fällen warten die Unternehmen ab, ob und in welcher Weise die vom Bundestag und von der Bundesregierung seit längerer Zeit erörterten Hilfsmaßnahmen verwirklicht werden.