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Die Blei-Zink-Metallogenese in den alpin-mediterranen Ketten.

Petrascheck, W. E.

Kurzfassung

Mit 280 000 Tonnen Blei und etwa ebensoviel Zink lieferten die Länder am Mittelmeer im Jahre 1956 rund 13% der Bleiproduktion und 9% der Zinkproduktion der Welt. Der weitaus überwiegende Anteil dieser Metallmenge entstammt den alpidischen Kettengebirgen, und zwar vor allem ihrem Südstamm und den Zwischenmassiven. Da sehr viele Blei-Zink-Erzlagerstätten hier wie auch anderwärts in der Welt ohne klar erkennbaren Zusammenhang mit magmatischen Zentren sind, ist ihre Entstehung umstritten. Neben der telethermalen Bildung ist neuerdings eine sedimentäre, submarin-exhalative Entstehung für die kalkalpinen und eine sekundär-hydrothermale Entstehung ebenfalls für die alpinen und besonders für die nordafrikanischen Lagerstätten vertreten, aber auch wieder angefochten worden. Eindeutig ist die magmatogene Lagerstättenbildung im Ostabschnitt des mediterranen Kettensystems, in der anatolisch-südosteuropäischen Erzprovinz erkennbar, wo die Gruppierung der hochthermalen bis mittelthermalen Lagerstätten um Extrusive und intrusive Massive aus kretazischer und vor allem jungtertiärer Zeit keinen Zweifel aufkommen läßt. Das gilt selbst für horizontgebundene Blei-Zink-Erzlagerstätten von einigen 100 qkrn Ausdehnung, wie Laurion, Balya Maden, Keban, Laurion, Madan, Trepca sind nur einige Beispiele aus einer großen Zahl von einstmals wichtigen Lagerstätten. Im nördlichen Jugoslawien und besonders in Montenegro setzt eine Gruppe andersartiger, subvulkanischer Pb-Zn-Vorkommen ein, deren Zugehörigkeit zum triassischen Porphyritvulkanismus A. CISSARZ und J. DUHOVNIK erkannt haben. Damit knüpfen sich Bande zu der neuen Auffassung der kalkalpinen Pb-Zn-Lagerstätten als synsedimentäre Bildungen zufolge des mitteltriadischen Vulkanismus (A. MAUCHER, H. SCHNEIDER, C. TAUPITZ). Die von diesen Forschern erkannten sedimentären Strukturen lassen sich aber zum größten Teil auch als Internsedimente aus konzentrierten Erzhydrothermen deuten, die in Lösungshohlräumen abgesetzt wurden (W. SIEGL), wodurch die Notwendigkeit einer schwer begründbaren Erklärung der echten Erzgänge in denselben Revieren durch Lösungsumsatz wegfällt. Auch sprechen nach C. W. CORRENS ernste geochemische Einwände gegen eine sedimentäre Deutung des begleitenden Flußspates. Immerhin scheint eine frühere, vortertiäre Entstehung dieser Lagerstätten im Hinblick auf ihr Verhältnis zur Tektonik wenigstens in den nördlichen Kalkalpen denkbar, wobei der bis in den Jura hinaufgreifende basische Vulkanismus als Spender der Vererzung in Betracht kommen könnte. Die Diskussion ist noch in vollem Fluß. Gegen jede der Auffassungen lassen sich auch schwerwiegende Einwände vorbringen.