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Regionaldeformation, Spaltentektonik und bleizinkerzführende Mineralgänge im westdeutschen Grundgebirge.

Breddin, H.

Kurzfassung

Die neuen Erkenntnisse über die tektonische Verformung der Gesteine auf Grund der in ihnen enthaltenen Fossilien erfordern einen Übergang zu neuen Grundvorstellungen über die Tektonik des westdeutschen Grundgebirges, die auch für die erzführenden Mineralgänge von Bedeutung sind. Im Unterschied von Faltung und Überschiebung, bei denen der Querverkürzung lediglich eine Auslängung nach oben und unten gegenübersteht, ist es bei dem neu aufgefundenen dritten großen Einengungsprozeß, der Regionaldeformation, zu einer allseitigen Auslängung der Gesteine und damit des gesamten Gebirges gekommen. In den weitaus größten Bereichen des Rheinischen Schiefergebirges und des Karbongürtels ist die Auslängung allseitig etwa gleich gewesen. Sie hat in den Tongesteinen die richtungslose (laminare) Schiefrigkeit hervorgebracht. Da die Hauptfaltung der Regionaldeformation örtlich stets vorangegangen ist und daher der Kreuzwinkel zwischen Schichtung und Deformationsebene (= Schiefrigkeit) von Ort zu Ort verschieden ist, führen Einlagerungen weniger deformierbarer Gesteine, insbesondere von Sand- und Kalksteinen zwischen den überwiegenden tonigen Gesteinen, zur Herausbildung von Klein- und Mikrofalten, Kleinüberschiebungen, Verschiebungen und Abschiebungen jeder Art und jeden Ausmaßes. Die Vertikal- und Seitenlängung bei der Regionaldeformation hat sich auch in dem Aufreißen offener Spalten ausgewirkt, die sich schon während des Aufreißens mit Mineralsubstanz füllten. So entstanden die Mineralgänge, von denen die Milchquarzgänge in den Sandsteinen und die Kalkspatgänge in den Kalksteinen die häufigsten sind. Außer der "Spaltentektonik" sind auch die "Gangstörungen" eine Begleiterscheinung der Regionaldeformation. Die Ausfüllungsmasse der normalen Mineralgänge entstammt dem Nebengestein. Der Prozeß der Herauslösung der Mineralsubstanz aus dem Nebengestein und ihre Absonderung auf sich zu Spalten öffnenden Klüften ist ein Verformungsprozeß im Rahmen der Regionaldeformation.