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Die Blei-Zink-Erzlagerstätte von Bawdwin in Nord-Burma

Sommerlatte, Herbert

Kurzfassung

Die Lagerstätte von Bawdwin im nordöstlichen Burma ist in mehr als in einer Hinsicht bemerkenswert. Bawdwin ist im süd- und südostasiatischen Raum das einzige Blei-Zink-Erzvorkommen von weltwirtschaftlicher Bedeutung. Es steht an Größe kaum den Vorkommen von Sullivan, B.C., Kanada, und vom Broken Hill, N.S.W., Australien, nach, die immer noch als die mächtigsten Einzel-Blei-Zink-Erzvorkommen der Erde gelten. Der Erzkörper ist von einzigartigem Reichtum an Silber, Blei und Zink, daneben aber treten in wirtschaftlichen Mengen Kupfer, Antimon, Nickel und Kobalt auf. Die Genesis der Lagerstätte ist ungewöhnlich, ja selten. Und schließlich ist die Geschichte des Bergbaus faszinierend. Der Name ist burmesisch; Baw bedeutet Silber und Dwin Grube. Bawdwin war die Silberquelle des Chinesischen Reiches. Sie wurde bereits in den ältesten Annalen der Ming-Dynastie erwähnt. MARCO POLO, der Venezianer, berichtet darüber, und nach ihm die frühen englischen und portugiesischen Seefahrer. Der alte Bergbau kam vor etwa 100 Jahren zum Erliegen, zu einer Zeit, wo dort schätzungsweise 20 000 Menschen beschäftigt waren. Hungersnot und Aufstände waren wahrscheinlich die Ursache. Das Ausmaß der alten Pingen und die weite Erstreckung der Untertagebaue deuten darauf hin, daß in den vergangenen Jahrhunderten mindestens 1 Million t Erze abgebaut worden sind. Erst um 1900 entdeckten Europäer die riesigen Schlackenhügel um Bawdwin, deren größter Teil Schlacken mit 45-50% Blei und etwa 50 g/t Silber enthielt. Diese Ziffern sind in der Tat ein Zeichen dafür, wie gut die alten Chinesen es verstanden hatten, Silber vom Blei, das für sie keinen Wert besaß, zu trennen. Eine 1902 gebildete englische Bergwerksgesellschaft hat zunächst nur Schlacken verarbeitet, von denen 300 000 t ausgebeutet wurden, bis man im Jahre 1908 begann, die eigentliche Lagerstätte wieder aufzuschließen.