Original paper

Erzvorkommen vom Typus "Mississippi-Tal" in den Vereinigten Staaten

Behre jr., Chas. H.; Heyl jr., Allen V.

Kurzfassung

Zusammenfassung Die Betrachtungen über die Entstehung der Erzvorkommen vom Typus "Mississippi-Tal" gründen sich auf eigene an Ort und Stelle betriebene Studien, ergänzt durch Untersuchungen im Laboratorium. Die Untersuchungen währten mehrere Monate im Oberen Mississippi-Tal-Gebiet und im östlichen Tennessee und, wenn auch weit begrenzter, im Drei-Staaten- (Joplin-) Gebiet, im Blei-Erzbezirk des südöstlichen Missouri, im Gebiet der Fluorit-Ablagerungen von Kentucky-Illinois, den Baryt-Ablagerungen von Süd-Zentral-Missouri und den Zink-Erzvorkommen von Virginia. Einer der Autoren widmete ein Jahr einer verhältnismäßig sorgfältigen Untersuchung ähnlicher Ablagerungen in Derbyshire, Chester und Cumberland; Belgien und Westdeutschland; in Schlesien, im Alpengebiet, in Sardinien, in Tunesien, Algerien und Marokko. Notwendigerweise wurde im Oberen Mississippi-Tal und in Tennessee sehr viel Zeit auf allgemeine Beschreibungen über das Entstehungsproblem hinaus verwandt. Solche Vorkommen in den Vereinigten Staaten, ebenso wie überall sonst, gleichen sich in ihrer einfachen mineralogischen Zusammensetzung. Galenit, Sphalerit-Wurtzit, Pyrit-Markasit, etwas Chalcopyrit, Baryt, Fluorit, Dolomit, Kalkspat, Quarz und kryptokristallinische SiO2 (Chalcedon) sind, im ganzen gesehen, die hauptsächlichen Minerale. Fast alle Erzvorkommen liegen in mehr oder weniger dolomitischem Kalkstein. Die jeweilige geologische Position der Erzvorkommen ist örtlich verschieden, was bei der genetischen Diskussion zu beachten ist. Die teufenmäßige Verteilung des Erzes ist jedoch ein Beweis gegen die diagenetische Konzentration. Der hohe Prozentsatz an Blei und Zink in tonigen Gesteinen, der nicht zu Erzkörpern angereichert ist, und die geringen Durchschnittsgehalte an Blei und Zink in Kalksteinen, welcher Erz enthält, stützen die Annahme einer syngenetischen Entstehung nicht. Der Beweis gegen die "Regeneration" im Sinne von SCHNEIDERHÖHN ist hauptsächlich geochemischer Natur. Setzt man eine Auflösung und einen Transport durch warme, komplexe Lösungen voraus, dann läßt sich der Vorgang allerdings nicht mehr von einem "hydrothermalen" Prozeß unterscheiden. Andererseits ist die weitverbreitete Vergesellschaftung zweier solcher chemisch unterschiedlicher Elemente, wie Blei und Zink, schwierig durch irgendeinen diagenetischen, deszendenten oder rein regenerierenden Vorgang zu erklären. Obwohl nicht überall deutlich, so ist die zonale Anordnung der verschiedenen Mineralien doch hydrothermalen Erzlagerstätten sehr ähnlich. Die Struktur und Mineralogie dieser Vorkommen ähnelt darüber hinaus sehr der telethermalen Stufe der "hydrothermalen" Ablagerungen, wie in Leadville, Tintic und einigen Erzen im östlichen Mexiko. Die detaillierte Paragenese der Minerale läßt ebenso auf Verwachsungen wie bei den "hydrothermalen" Erzen schließen. Die indirekten Temperaturmessungen, die allerdings nicht absolut endgültig sind, zeigen alle Werte von über 50° C auf. Durchgehende Erzadern in den Ablagerungen vom Typus "Mississippi-Tal" durchkreuzen die Schichten wie bei typischen hydrothermalen Erzgängen. Aus allen diesen Gründen glauben die Verfasser, daß die hydrothermale Theorie als die beste Erklärung dieses Typus anzusehen ist.