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Zur Deckgebirgstektonik (Abscherungskleintektonik in saxonischen Aufrichtungszonen)

Jubitz, K.-B.

Kurzfassung

Systematische kleintektonische Untersuchungen im Bereich der östlichen Harzrandaufrichtungszone zwischen Wernigerode und Ermsleben gestatten jetzt eine genauere mechanische Analyse der Abscherungsvorgänge, die bei der Heraushebung und Überschiebung des Harzes auf sein Vorland erfolgten. Im wesentlichen wurden diese Spezialverformungen innerhalb der steilgestellten Schichten verbände durch die Inhomogenität der Gesteinsschichten untereinander sowie das dadurch bedingte disharmonische Verhalten tektonisch vorgezeichnet, z. T. jedoch in gesetzmäßiger Beziehung zum übergeordneten Großbau. Charakteristisch für junge Nachbewegungen des tieferen Oberbaues, vor allem der Trias, ist hier eine ausgesprochene Vertikaltektonik, d.h. eine Drehung des normalen tangentialen Einengungsbeanspruchungsplanes um 60-90° in die Vertikale, wobei die Schichten im Vorfeld der Aufschiebungsfront nach oben ausweichen. Die aufgerichteten Gesteinsverbände gleiten schichtparallel in Form geomechanisch gleichwertiger Blöcke aneinander vorbei und bilden in den Zonen der Abscherungs- und Aufschiebungsbahnen kleintektonische Knickungselemente und Abscherungsfalten. An Hand des Versatzes von flachgelagerten nordostvergenten Überschiebungsflächen, die genetisch der eigentlichen Harzrandaufrichtung zuzuordnen sind, durch diese Abscherungselemente läßt sich auf kleintektonischem Wege der Nachweis führen, daß ein großer Teil der Abscherungsvorgänge zeitlich jünger als der Hauptakt der Harzrandaufrichtung ist. Entsprechende kleintektonische Vergleiche in dem darüber transgressiv liegenden Campan des höheren Oberbaues (v. BUBNOFF, JUBITZ, SCHWAN 1957) zeigen übereinstimmend dazu, daß diese posthumen Nachbewegungen zeitlich post-Untercampan, d. h. später als die eigentliche Harzüberschiebung, stattfanden. Darüber hinaus wurden innerhalb dieses intensiv eingeengten Schichtenverbandes kleintektonisch erstmalig jetzt auch Untervorschiebungen (HEIM 1922) nachgewiesen, bei denen das Liegende steil unter dem Hangenden hervorspießt, oft unter faltenförmiger Schleppung des benachbarten Schichtenverbandes (Bahnaufschluß im Unteren Buntsandstein b. Thale = Bodetal); charakteristisch für diese Art der Abscherungsstrukturen ist ein im Querschnitt bajonettartiger Schichtenverlauf, seitlich beiderseits von völlig intakten und aufgerichteten Gesteinsbänken flankiert. Diese Verformungen stehen im engsten Zusammenhang mit den von CLOOS (1916) beschriebenen Störungen, die die im Profil dreieckförmigen Campan-Vorkommen von Blankenburg (Teufelsbachtal) und Thale (Fohlenstall) nach Norden zum Harzvorland begrenzen, indem der tiefere Oberbau längs Abscherungsbahnen vertikal von unten den geringmächtigen Transgressivverband des höheren Oberbaues (Campan) durchstößt.