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Möglichkeiten und Probleme der Conodonten-Stratigraphie

Müller, K. J.

Kurzfassung

Das Interesse am Einsatz der Conodonten in der Stratigraphie hat sich in den letzten Jahren merklich belebt. In Mitteleuropa wird die Forschung durch das Vorhandensein kalkig entwickelter Serien begünstigt. In Nordamerika war mit Hilfe von Conodonten eine Korrelation und Untergliederung der kaum andere bezeichnende Fossilien enthaltenden schwarzen Schiefer des Oberdevons und Unterkarbons möglich. In Australien, der Sahara und im Paraná-Gebiet in Brasilien sind Untersuchungen mit dem Ziel der Anwendung der Conodonten in der Erdölgeologie im Gange. Conodonten bestehen aus Karbonat-Apatit und sind in Essigsäure und in Ameisensäure unlöslich. Für dolomitische Kalke wurden mit Ameisensäure gute Erfahrungen gemacht. Monochloressigsäure kann ebenfalls zur Ausätzung benutzt werden; sie scheint besonders für stark mergelige oder tuffitische Proben geeignet zu sein, greift jedoch manchmal die Conodonten etwas an. Selbst aus stark verfestigten bis leicht metamorphen Serien, die sich mit den in der Mikropaläontologie üblichen Lockerungstechniken (Glaubersalz, H2O2 oder Benzin) nicht mehr aufbereiten lassen, können die Conodonten durch selektive Lösung kalkiger Gesteine mit einer der genannten Säuren ohne große Mühe gewonnen werden. Sie werden fast ausschließlich nach äußerlichen Merkmalen bestimmt. Deshalb sind sie auch in Gummiabdrücken identifizierbar, die z. B. von Kieselschiefern oder Lyditen nach Herauslösen der Conodontenreste mit verdünnter Salzsäure angefertigt werden können. Conodonten sind vom Mittelkambrium bis in die Oberkreide gemeldet. Kambrisches Material wird von mir gegenwärtig untersucht, es zeigt z. T. Gattungsgleichheit mit dem Ordovizium. Das Vorkommen in der Oberkreide wird von vielen Bearbeitern noch nicht als primär anerkannt, weil aus Jura und Unterkreide noch keine Conodonten vorliegen. Bemerkenswert ist jedoch, daß sich der stratigraphisch bedeutsamste Bestandteil der in der Mungokreide gefundenen Assoziation zwanglos an Formen von Gondolella anschließen läßt, die HUCKRIEDE in der oberen Trias fand. Für stratigraphische Arbeiten können die Conodonten z. Z. vom untersten Ordovizium bis in die Trias eingesetzt werden. Während dieser Zeit sind an ihnen definitive und allgemeine Entwicklungstendenzen zu beobachten, die in Auswahl an Hand von Lichtbildern demonstriert wurden.