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Zur Tektonik des Flözleeren an Volme und Lenne

Schmidt, Rolf

Kurzfassung

Südlich der Ruhr sind im Gebiet von Volme und Lenne durch natürliche Anschnitte und künstliche Aufschlüsse die Schichten des Flözleeren (Namur A-C) erschlossen, das sich petrographisch als Wechsellagerung von Schiefertonen mit Sandsteinen, Grauwacken und Quarziten kennzeichnet. Im Zusammenhang mit dem Forschungsthema "Stockwerktektonik im Ruhrkarbon" entstand die Frage, inwieweit die unterschiedliche Gesteinsausbildung im Unterstockwerk Verschiedenheiten der Faltenform und Faltengröße bedingt. Durch Aufnahme von Querprofilen i. M. 1:1000 an Volme und Lenne und von Einzelaufschlüssen in größerem Maßstab wurde versucht, diese Frage zu beantworten. Die Querprofile ergeben, daß Strecken ruhiger Lagerung mit solchen intensiver Verformung abwechseln. Eine durchgehende Zickzackfaltung liegt nicht vor. In den Zonen der Faltungskonzentration treten nahezu alle Faltentypen, vom Rundsattel bis zur extrem engen Spitzfalte, auf. Größere streichende wie auch querschlägige Störungen sind nicht nachzuweisen. Eine Analyse in quantitativer Hinsicht ergibt, daß Länge und Amplituden der Falten recht einheitlich ausgebildet sind. Es ist anzunehmen, daß ein langwelliger Faltenwurf vorliegt, der in den Kernen der Sättel und Mulden infolge weitergehender Einengung zu einer disharmonischen Faltung geführt hat. Eine Abhängigkeit von der Gesteinsausbildung ist dabei nicht festzustellen. Sowohl mächtigere Grauwackenpakete wie auch relativ mobilere Schiefertonserien weisen ein gleiches Faltungsbild auf. Die Falten sind im einzelnen z. T. verengt, doch liegt eine einheitliche Richtung nicht vor. Nord- und Südvergenz treten verschiedentlich in kürzerer Entfernung nebeneinander auf. Rupturen sind auf kleinere Verschiebungsbeträge beschränkt. Es können streichende Aufschiebungen und Querverwerfungen unterschieden werden, von denen die letzteren später angelegt sind. Die Einengung der Schichten des Flözleeren durch Faltung und untergeordnet durch Überschiebung ist beträchtlich und erreicht wohl über ein Drittel der ursprünglichen Schichtlänge. Der Beanspruchungsplan ist gekennzeichnet durch primäre Pressungserscheinungen, die ENE streichende Falten und Überschiebungen hervorgerufen haben. Sekundär tritt rechtwinklig hierzu eine Zerrungsbeanspruchung auf, die zur Ausbildung von Querstörungen geführt hat.