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Entstehung und Probleme der Nordseeküste mit den Ostfriesischen Inseln

Hartung, W.

Kurzfassung

Auffallendste Bildung an der deutschen Nordseeküste ist die so eigenartig gesetzmäßig gereihte Kette der Ostfriesischen Inseln. Im Gegensatz zu den Nordfriesischen Inseln, welche "Restinseln" darstellen (zerstörtes Festland und Marschenland), sind die Ostfriesischen Inseln neue, ganz Junge Aufschüttungen aus Sedimenten vom Boden der Nordsee, aufgeschüttet am Außensaum des Wattengebietes, wo der Sockel des Watts mit einer steileren Kante in die tiefere See abfällt. Die heutigen langgestreckten Formen der Inseln sind zweifellos gealterte Formen. Die Zahl der Inseln war früher größer, was durch den Untergang der Insel Buise auch historisch verbürgt ist. Suchen wir allererste Anfangsstadien, müssen wir uns in das Gebiet des für Inselbildungen noch "unreifen" (GRIPP) Watts zwischen Jade-Weser- und Elbe-Mündung begeben. Dort zeigt der Nordsaum der Strandinsel "Alte Mellum" besonders im Luftbild geradezu in modellhafter Anschaulichkeit das früheste Stadium als einen infolge der Tidebewegung durch Priele in zahlreiche Einzelglieder zerteilten Strandwall. Als solch unterbrochener Strandwall ist auch das Anfangsstadium der ostfriesischen Inselkette aufzufassen: Zahlreiche Einzelglieder nach Art der Strandinsel "Alte Mellum", deren heutige Form Jetzt auch ganz mit den noch vorhandenen Kleininselgestalten am Ostende der westfriesischen Inselkette (Rottum, Rottumeroog, Simonssand) korrespondiert. Dieses Ostende der Westfriesischen Inseln zeigt offenbar noch Frühformen. Erst die West-Ost-gerichtete Küstenströmung schafft durch gesetzmäßige Sandwanderung mit charakteristischem Riffbogen vor jedem Seegatt die langgestreckten "gealterten" Inselformen: Kleinere Inseln werden zerrieben, ihr Material verlängert die bestehenbleibenden. Die Inseln unterliegen noch heute dem Spiel dieser Kräfte ("Wandernde" Inseln); nur hat der Mensch durch großartige Inselschutzbauten eingegriffen. Der Ostsand Spiekeroogs ist ganz junge Neubildung und bedingte den Untergang des Westdorfes von Wangerooge. Baltrum würde vergehen, wäre es nicht geschützt. Je nach Lage und Strömungen des Watts sind die verschiedenen Inseln an ihren Westenden sehr unterschiedlich gefährdet. Für Wangerooge ist der Schutz des Westendes erreicht, für Norderney stellt der endgültige Schutz dagegen ein offenes und brennendes Problem des Küstenschutzes dar.