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Die Begegnung des nordischen Inlandeises mit dem Rhein

Thome, K.

Kurzfassung

Das nordeuropäische Inlandeis hat bekanntlich während des Drenthe-Vorstoßes den linken Niederrhein erreicht und den Fluß aus seinem Bett nach Westen abgedrängt. Seitdem liegen zwischen den Rheinterrassen die Reste von Sandern und Stauchwällen. Durch tektonische Untersuchung der Stauchungs-Strukturen und morphologische Analyse des Geländes wurde es möglich, die Gesetzmäßigkeiten des Eisvorstoßes und der Rheinterrassen so weit zu erkennen, daß der Verlauf des Eiseinbruches und -rückzuges rekonstruiert werden kann: Aus dem weiten, flachgemuldeten Emschertal stieß ein Gletscher nach Westen auf die Mittelterrassenebene des Niederrheins und bildete hier das Halbrund des Moerser Lobus. Vor sich warf der Lobus einen Stauchwall auf, wie auch die weiter nördlich anschließenden Eisloben. Das Aufwerfen der relativ hohen Stauchwälle wurde durch einen tonig-schluffigen Gleithorizont erleichtert, der etwa 15-20 m tief unter den Rheinschottern lag. An der rheinaufwärts gelegenen Seite des Moerser Lobus jedoch entfernte der Rhein regelmäßig die dort sich bildenden Stauchwälle und ermöglichte so dem Eis einen leichten und relativ weiten Vorstoß rheinaufwärts bis Düsseldorf. Während dieser "Düsseldorfer Lobus" nach Süden vorstieß, kamen die nördlicheren hinter ihren Wällen allmählich zum Stehen. Der Düsseldorfer Lobus aber wurde sehr rasch vom Rhein entfernt, als der Eisnachschub aufhörte, worauf der Fluß nacheinander auch die nördlicher liegenden Eisloben angriff und beseitigte. Der Rhein hat also nicht passiv sich aus seinem Bett verdrängen lassen. Sein kaltzeitlicher riesiger Eisgang brach mit großer Wucht herein und ermöglichte dem Fluß die Beherrschung des gesamten 10-15 km breiten Mittelterrassenbettes. War die Hochflut des Eisgangs abgelaufen, fiel der Wasserspiegel rasch, der Fluß bedeckte sich schon im Herbst wieder mit einer Eisdecke, unter der im Winter und Frühjahr nur sehr geringe Wassermengen abflossen. Dieser extreme Abflußcharakter des kaltzeitlichen Rheins (durch große Eisversetzungen hochgestaute Eisganghochflut und sehr niedriger Abfluß während der übrigen Zeit des Jahres) ergibt sich aus dem Vergleich mit heutigen arktischen Strömen und unserer Kenntnis über das kaltzeitliche Klima. Die zahlenmäßige Größe des Hochwassers wird aus den hinterlassenen Spuren (Bettform, -größe und Schottergröße) gefolgert.