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Untersuchungen an Kreuzschichtungs-Gefügen

Wurster, P.

Kurzfassung

Die vorgetragenen Untersuchungen werden ausführlich behandelt in der Geologischen Rundschau, 47, 1958, S. 322-359. Wenn man Kreuzschichtung einmißt, interessieren zunächst die Einfallsrichtungen. Statistisch ausgewertet ergeben sich aus ihnen ehemalige Schüttungsrichtungen. Dieses quantitative Verfahren dient vor allen Dingen zur Aufklärung paläogeographischer Fragen. Dabei verliert man aber nur allzu leicht die Kreuzschichtung selbst und ihren körperlichen Aufbau aus den Augen. Die Anatomie der Kreuzschichtung wird zudem verschleiert durch die willkürlichen Aufschluß-Richtungen. Wir sehen Längs-, Schräg- und Querschnitte durch irgendwelche unbekannten Schüttungskörper. Die bisherige Einteilung in Schrägschichtungsarten muß demzufolge anmuten wie eine altertümliche Blumensystematik nach Farben. Meine Untersuchungen an Kreuzschichtungs-Gefügen stehen in einer engen Folge von Bonner Arbeiten über Sedimentstrukturen (BRINKMANN 1955). Nachdem NIEHOFF (1953/58) gezeigt hatte, daß die Schrägschichtung im Emsquarzit aus wandernden Großrippeln entstand, untersuchte HÜLSEMANN (1955) den inneren Aufbau von Großrippeln im Nordsee-Watt und in der Molasse. Um die Kreuzschichtung möglichst vollständig zu erfassen, wird ein Raster-Meßverfahren angewandt. Dabei werden die Messungen in ein maßstabgetreues Aufschlußbild eingetragen. Wenn man dann nach dem gefügekundlichen Verfahren (SANDER 1948) Gefügeachsen festlegt, hat man ein festes Koordinatensystem zur geometrischen Beschreibung der angeschnittenen Kreuzschichtungs-Körper. Die rekonstruierten Körper verschiedener Bildungsräume können dann exakt verglichen werden. Dabei zeigt sich, daß man Fluß-Kreuzschichtung und Gezeiten-Kreuzschichtung unterscheiden kann. Die Gewässer auf dem festen Land fließen in einer Richtung ab. Wir finden in ihren Sedimenten deshalb monokline Schüttungsdiagramme. Beim Auspendeln entstehen im einzelnen trikline Schüttungskörper mit parabolischem Grundriß. Die pulsierende Wasserbewegung der Gezeiten schafft dagegen transversal ausgezogene, rein monokline Sandbänke und bipolare Diagramme. Wind-Kreuzschichtung wurde noch nicht untersucht. Immerhin gewinnen wir so Ansätze zu einer genetischen Einteilung der Kreuzschichtung und können aus den Merkmalen auf den Bildungsraum des Sediments zurückschließen.