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Rezente und vorgeschichtliche Bodenbildungen in der Zentralen Sahara und ihre Bedeutung für die Klimageschichte des Pleistozän

Kubiena, W. L.

Kurzfassung

Die rezente Bodenbildung der Zentralen Sahara mit ihren Rohbodenvarietäten steht in starkem, leicht unterscheidbarem Gegensatz zu ihren, auf feuchte Klimate zurückgehenden Relikt- und Fossilböden. Durch vergleichende Untersuchungen dieser vorzeitlichen Bodenreste und der rezenten Bodenbildungen auf gleichem Ausgangsgestein in den verschiedensten Klimagebieten der Erde ist unter Benutzung der Ergebnisse von Dünnschliffuntersuchungen eine weitgehende Rekonstruktion der Bildungsbedingungen möglich, unter denen die den Resten entsprechenden Bodendecken der Sahara entstanden waren. Unter den Paläoböden sind außer den in der ganzen Sahara verbreiteten, vielfach gut datierbaren Rotlehmfunden ausgedehnte Braunlehmrelikte von besonderer Bedeutung, die sich in der Vulkanlandschaft des hohen Atakor (Hoggar) vorzüglich erhalten haben. Sie kommen auf den jüngsten Basaltdecken vor, entsprechen den rezenten erdigen Braunlehmen des Kamerunberges und des Pico de Santa Isabel auf Fernando Póe sowie z. T. den heute bereits stark regressiven Braunlehmen der Lorbeerwaldstufe auf den Westkanaren. Obwohl die genaue Datierung dieser dem jüngsten Pluvial entsprechenden und dessen Charakter weitgehend kennzeichnenden Braunlehmrelikte schwierig ist, läßt sich für sie ein jungpleistozänes Alter annehmen. Unter den Basaltdecken finden sich ältere fossile Böden, vorwiegend Rotlehme der Weißhorizontvariante (auf den sogenannten mittleren und älteren Basalten des Atakors, wahrscheinlich altpleistozänen Alters), ferner tertiäre Rotlehme der Weißhorizontvariante auf dem Gneissockel in- und außerhalb des Atakors.