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Bisherige Ergebnisse der Anwendung der Conodonten-Chronologie im Devon der Lahnmulde

Dengler, H.

Kurzfassung

Auf der Frühjahrstagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft im Jahre 1952 machte BECKMANN auf den Leitwert der Conodonten im Paläozoikum aufmerksam. Mit devonischen Conodonten befaßten sich daraufhin insbesondere G. BISCHOFF, SANNEMANN und ZIEGLER. Die Ergebnisse dieser Autoren wurden an zahlreichen Proben aus der Lahnmulde überprüft. Dabei stellte sich heraus, daß sich die Aufeinanderfolge der aufgestellten Leitformen bzw. Subzonen immer wieder bestätigt hat. Die Conodonten wurden dadurch, daß Megafossilien nur sehr vereinzelt auftreten, zu einem auch bei starken Faziesschwankungen sich bewährenden Hilfsmittel bei der Erkennung der Stratigraphie als Voraussetzung zur Klärung des tektonisch überaus kompliziert gebauten Lahnmuldengebietes. - Die Einstufungen der von BISCHOFF und ZIEGLER als höchstes Mitteldevon bezeichneten Subzonen - nämlich der ordinata-dubia- und der dubia-rotundiloba-Subzone - konnte nicht bestätigt werden, da im Roteisensteingrenzlager, das im Liegenden dieser beiden Subzonen auftritt, oberdevonische Megafossilien - darunter das Leitfossil für die tiefste (Pharciceras-) Zone des Oberdevons (toI alpha) Pharciceras lunulicosta (SDB.) - gefunden wurden. (Für die Bestimmungen sei Herrn Prof. H. SCHMIDT, Göttingen, herzlich gedankt.) Somit gehören diese beiden Conodonten-Subzonen mit Sicherheit ebenfalls dem tiefsten Oberdevon an. Damit konnte auch die Frage nach der Altersstellung der im Hangenden der Erzlager in der südlichen Randfazies der Lahnmulde auftretenden Schichten geklärt werden, die KAYSER und LOTZ bei ihren damaligen Aufnahmen dem Mitteldevon zuordneten, während AHLBURG die gleichen Schichten als oberdevonisch angesprochen hat. Diese Ansicht AHLBURGS fand nunmehr ihre Bestätigung, da diese Schichten altersmäßig mit denen im Hangenden des Roteisensteingrenzlagers der mittleren Lahnmulde übereinstimmen. Damit wurde auch die Auffassung von H. RICHTER, der den givetischen Schalstein als Intrusivkissen deutet, an deren äußerer Umrahmung die Erzlager auftreten, widerlegt, da es sich beim Auftreten eines Eisenerzlagers im Liegenden eines derartigen "Intrusivkissens" einwandfrei um Faltung handelt, wie sie vielfach schon durch Grubenaufschlüsse bekanntgeworden ist. Der Beginn der Eisenerzbildung in der varca-Subzone des obersten Givet konnte für die mittlere und die südliche Lahnmulde gesichert werden. Somit besteht der Begriff des "Roteisensteingrenzlagers" auch für die Lahnmulde zu Recht, dessen liegender Teil noch dem höchsten Givet, dessen hangender Teil jedoch schon der tiefsten Zone der Adorf-Stufe des Oberdevons angehört. Diese Beobachtungen zeigen das Grenzlager in der Lahnmulde als ein syngenetisch-sedimentäres Schichtenglied, wie es schon früher, insbesondere von AHLBURG und KEGEL, betrachtet und vor allem durch die Arbeiten von MICHELS und LIPPERT für die Dillmulde bestätigt wurde.