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Zur Geologie des Oberdevons in der nordöstlichen Dillmulde

Stibane, F.

Kurzfassung

Das Bottenhorner Becken SCHÖNENBERGS stellt einen Teil der nordöstlichen Dillmulde dar, an dessen Eckpunkten etwa die Orte Bhf. Harzenhain und Hartenrod im SW, die Orte Quotshausen und Amelose im NE liegen. 2 Oberdevonstreifen durchziehen das Gebiet. Der nordwestliche bildet die Verlängerung der Eibacher Mulde, der südöstliche stellt einen Teil der Eisemröther Schuppe dar. Mit Hilfe von Ostracoden und Conodonten ergibt sich folgende stratigraphische Gliederung (s. S. 634 oben). An der Basis des Kulms liegt häufig eine Grauwacke, deren Mächtigkeit nach E bzw. NE bis auf 20-30 m zunimmt. Die kulmischen Sedimente überlagern ± konkordant das Oberdevon. Meßbare Diskordanzen sind nicht vorhanden. Die bretonische Faltung hat demnach dieses Gebiet nicht erfaßt. Mächtigkeitsschwankungen im Oberdevon lassen starke epirogene Krustenbewegungen innerhalb des Geosynklinalstadiums erkennen. Der Beginn dieser Bewegungen liegt offenbar in der Nehden-, vielleicht aber schon in der Adorf-Stufe. Sie enden in der höheren Dasberg-Stufe. Die starke Absenkung ermöglichte die Sedimentation von 700 m (einschl. Adorf-Stufe) im Zentrum des Bottenhorner Beckens, dem unmittelbar im NE die Holzhausener Schwelle Wocklum-Stufe → ?; Dasberg-Stufe → graue, quarzitische Sandsteine + Pflanzenhäcksel + graue Schiefer → max. 130 m; Dasberg-Stufe → rote + graue Schiefer → max. 70 m; Hemberg-Stufe → kalkiger Sandstein mit subaquatischen Verfaltungen + graue Schiefer → max. 160 m; Hemberg-Stufe → Rotschiefer, z. T. graue Schiefer → max. 100 m; Hemberg-Stufe/Nehden-Stufe → graue + gelbe Sandsteine mit Pflanzenhäcksel und Tonschmitzen → max. 300 m; Nehden-Stufe → Rotschiefer + graue Schiefer → max. 20 m; Adorf-Stufe → Bänderschiefer in NW-SE-Richtung, also quer zum Streichen der Dillmulde, vorgelagert ist (60-100 m exkl. Adorf-Stufe). Vom Zentrum des Beckens nehmen die Sedimente in SW-Richtung ab und erreichen wiederum min. Mächtigkeiten in der Hartenroder Schwelle, die ebenfalls quer zum Streichen angeordnet ist. Es wird angenommen, daß sich der Steilabfall von der Holzhausener Schwelle zum Bottenhorner Becken im Untergrund nicht nur flexurartig, sondern vielmehr an Störungen vollzogen hat. Dafür sprechen zwei Merkmale: Bei der tektonischen Ausgestaltung wurde im Grenzgebiet Schwelle/Becken eine Querstörung angelegt, die alle tektonischen Strukturen durchsetzt. An ihr ist im gleichen Sinne wie während des Oberdevons die Südscholle abgesunken. Ebenfalls im Grenzgebiet Schwelle/Becken liegt ein für dieses Gebiet ungewöhnlich großes Deckdiabasmassiv mit etwa 500 m Mächtigkeit, das nach allen Richtungen ausdünnt bzw. auskeilt. An seiner Basis befinden sich mehrere Zufuhrkanäle, die die Sedimente querschlägig durchsetzen. Beide Beispiele zeigen die Wechselwirkungen zwischen epirogenen Vorgängen, dem initialen Magmatismus, dessen Aufstiegswege auf epirogen gebildeten Strukturen liegen, und schließlich der orogenen Ausgestaltung, die diese Strukturen nochmals nachzeichnet.