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NACHRUF für RUDOLF RICHTER - EMMA RICHTER

Author, Anonymous

Kurzfassung

RUDOLF RICHTER wurde am 7. November 1881 in Glatz geboren. Sein Vater, aus Memel gebürtig, hatte nach Abschluß seiner medizinischen Studien auf der Durchreise Glatz kennengelernt und, begeistert von der schönen Lage der Stadt, sich dort als Arzt niedergelassen. Die Mutter entstammte einer hessischen Theologen- und Juristen-Familie. Daß den Sohn eines Arztes naturwissenschaftliche Neigungen seit seiner Jugend begleiteten, darf nicht wundernehmen. Aber auch das juristische Erbteil zeigte sich bisweilen; der ältere Bruder war hoher richterlicher Beamter. Die Neigung zu gedanklicher Klarheit und treffenden Formulierungen geht wohl auf dieses Erbteil zurück, das in der Schulzeit durch den Geist der klassischen Sprachen wohl weiterentwickelt sein mochte. Nach der Absolvierung des Gymnasiums in Glatz studierte er 1900 bis 1904 in München und Marburg Geologie und verwandte Naturwissenschaften. Er legte das Examen für das Lehramt an höheren Schulen ab, durchlief die erforderliche Vorbereitungszeit und leistete das Militärdienstjahr ab. Anschließend war er Assistent bei Prof. EM. KAYSER in Marburg und promovierte in dieser Zeit summa cum laude. 1908 ging er als Studienrat nach Frankfurt und wurde auf Veranlassung FRITZ DREVERMANN's gleichzeitig ehrenamtlicher Sektionär für Geologie und Verwaltungsmitglied der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Im 1. Weltkrieg diente er als Offizier an der Front und zuletzt als Leiter einer geologischen Beratungsstelle. Nach der Gründung der Universität Frankfurt habilitierte er sich dort 1920 für Geologie und Paläontologie, wurde 1925 außerordentlicher Professor und 1934 als Nachfolger von FRITZ DREVERMANN ordentlicher Professor und Direktor des Geologisch-Paläontologischen Institutes. Seit 1932 war er geschäftsführender Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft und des Natur-Museums Senckenberg, Ämter, die er unter Verzicht auf die dafür ausgesetzten Bezüge ehrenamtlich verwaltete. 1948 emeritiert, leitete er das Geologische Institut weiter bis 1952, bis zur Ernennung des Nachfolgers, doch blieb er an der Spitze der geologisch-paläontologischen Abteilung des Museums bis zu seinem Tode am 5. Januar 1957. 1913 verheiratete er sich mit EMMA HÜTHER, geb. am 4. März 1888 in Gr. Steinheim bei Hanau. Sie verlebte ihre Jugend jedoch in Schwäbisch-Hall, das sie auch als ihre Heimat betrachtete, und kam etwa 1900 nach Frankfurt. Nach dem Besuch der höheren Schule und des Lehrerinnen-Seminars ging sie in den Schuldienst und bereitete sich daneben für das beabsichtigte Studium der Geologie und Paläontologie vor, zu dem ihre Liebe schon in der Schule von KINKELIN, der ihr Lehrer war, geweckt war. Mit ihrer Verheiratung verließ sie den Schuldienst und widmete sich als ehrenamtliche Sektionärin gemeinsam mit ihrem Mann den paläontologischen Untersuchungen, bei denen sich beide auf das glücklichste ergänzten. Sie besaß ein ganz hervorragendes Formengedächtnis und damit die Fähigkeit, auch kleinste Unterschiede alsbald zu erkennen sowie neue Formen mit Bekanntem zu verknüpfen. Dazu kam ein großes technisches Geschick in der Präparation von Versteinerungen und ihrer zeichnerischen Darstellung. Nur dieser überaus glücklichen gegenseitigen Ergänzung ist es zu danken, daß RUDOLF und EMMA RICHTER eine große Zahl vollendet durchgeführter und hervorragend ausgestatteter paläontologischer Studien veröffentlichen konnten. So kann man das Lebenswerk RUDOLF RICHTERS nicht darstellen, ohne gleichzeitig des Anteils seiner Frau daran zu gedenken. Sie starb am 15. November 1956, nur wenige Wochen vor ihrem Manne.