Original paper

Bericht über die Exkursionen anläßlich der 110. Hauptversammlung in Marburg a. d. Lahn vom 1. bis 9. September 1958. II. Exkursionen in die Hessische Senke. Exkursion C. Stratigraphie und Tektonik westlich der Dammühle bei Marburg (Gotlandium bis Unterkar

Ziegler

Kurzfassung

Innerhalb eines Schuppenbaues kommen Schichtglieder des älteren Hercyns (Princeps-, Schönauer Kalk, Dalmanitenschichten, Erbslochgrauwacke und -schiefer) vor. Diese sind auf Adorf-Stufe (Kieselschiefer, Kieselkalke, Tonschiefer und Kalke) aufgeschoben. Innerhalb der Überschiebungsbahn Reste gotlandischer Gesteine mit Monograptiden und Brachiopoden. In diesen Schuppen-Überschiebungsbau sind an der Westflanke des Profils Grauwacken und Schiefer des höchsten Oberdevons eingebaut. Die Osthälfte des Profils setzt sich aus einem Schuppenbau des älteren und jüngeren Hercyns zusammen (Unterdevon und Mitteldevon), in dem auch Kalklinsen und Schiefer der Adorf-?, Nehden-, Hemberg- und Dasberg-Stufe vorkommen. Im Osten ist das Kulm mit Kieselschiefern, Tonschiefern und Grauwacken aufgeschoben. Durch den Fund eines Silurgerölls innerhalb der Kulmgrauwacke läßt sich das Alter der Schuppen-Tektonik im westlichen Profil-Teil auf bretonisch bzw. spätbretonisch festlegen. Diskussionsbemerkungen: H. SCHMIDT glaubt in den immer wieder auftretenden Kalklinsen in roten Schiefem von einem Kliff während der Kulmgrauwackenzeit abgerutschte ältere Schichtglieder zu sehen ("Wildflysch"-Natur) (siehe Diskussionsbeitrag). Dem wird entgegengehalten, daß die Schiefer, die die Kalkblöcke ummanteln, an keiner Stelle kulmisches Alter haben, sondern daß sie meist dem Alter der Kalkblöcke und Linsen entsprechen. Beim Absturz von einer Steilküste bzw. submarinen Kante hätten die Kalkblöcke sicher den Zusammenhang mit den begleitenden Schiefem verloren.