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Zur Gesteinsdeformation im Einflußbereich gefalteter Bänke

Wunderlich, H. G.

Kurzfassung

Wer sich in intensiv spezialgefalteten Gebieten mit Fossilverformung befaßt hat, kennt die Erscheinung, daß deformierte Fossilien trotz gleicher Beschaffenheit oft ganz unterschiedliche Ausmaße der Verformung zeigen. Die Erklärung hierfür wurde vom Verfasser bei der Untersuchung verformter Belemniten-Rostren aus den gotthardmassivischen Bündner Schiefern des nördlichen Tessins zunächst in einer unterschiedlichen Orientierung der Fossilien im Gesteinsverband gesucht, da sich herausgestellt hatte, daß Rostren parallel zu einem flach nach Osten einfallenden Fältelungslinear nicht verformt, senkrecht dazu jedoch stark gestreckt waren (parallel zu einem steilen Minerallinear, vgl. WUNDERLICH 1958). Daß diese Deutung aber allein noch nicht ausreicht, um das angeschnittene Problem zur Zufriedenheit zu lösen, geht daraus hervor, daß auch bei gleicher Orientierung der Fossilien noch Unterschiede im Ausmaß der Verformung bestehen. So sind die genannten Belemniten-Rostren parallel zum steilen Streckungslinear zwar insgesamt gelängt, doch um ganz unterschiedliche Beträge, die zwischen dem Zwei- und Siebenfachen - nach Beobachtungen von HEIM im Malmkeil von Färnigen (1916) sogar bis zum Zehnfachen - der Ursprungslänge schwanken. Für diese Unterschiede im Streckungsbetrag konnten im Vorjahr nur Abweichungen in der Plastizität des Materials verantwortlich gemacht werden, wobei sich der Verfasser allerdings bereits darüber im klaren war, daß diese Erklärung nicht die einzige und keine vollbefriedigende sein konnte - zu gleichförmig war in den meisten Fällen das Einbettungsmedium, um derartige Verformungsunterschiede zu rechtfertigen.