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Bericht über das 9. Kolloquium der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik in Salzburg

Heitfeld, K.-H.

Kurzfassung

Am 16. und 17. Mai 1958 tagte in Salzburg die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik zum 9. Male. Während die 8. Tagung im Jahre 1957 unter dem Motto "Das geologische Detail" stand (Z. deutsch, geol. Ges., 110, S. 436-438, 1958), wurden 1958 Probleme der Talsperrengründung und der Spannungen im Gestein behandelt. Das einleitende Referat von Herrn MÜLLER, Salzburg, war dem Gedächtnis JOSEF STINIS gewidmet. STINI, der Mitbegründer der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Geomechanik, hat durch eine Vielzahl richtungsweisender Arbeiten die Ingenieurgeologie ständig befruchtet und maßgeblich zu ihrer heutigen Bedeutung beigetragen. Den letzten Vortrag vor seinem Tode hat er auf der Tagung der Arbeitsgemeinschaft in Salzburg 1957 gehalten und dabei eines seiner Hauptarbeitsgebiete, die Bedeutung der Wasserverhältnisse im Felsgebirge für die Baugeologie, erörtert. STINI hat 1936 als erster mathematisch Fließvorgänge im festen Gestein berechnet. Er zeigte die Bedeutung der Richtungen der angreifenden Kräfte zu den im Gebirge herrschenden Kluftrichtungen bei Bauwerken im Felsgebirge auf und regte die Ausführung von Großversuchen u. a. zur Bestimmung des Verformungsmoduls im Gestein an. Eine seiner letzten Arbeiten befaßte sich mit der Frage des Grundbruches im Gebirge. Sein Bestreben war es, die geologische Aussage quantitativ zu fassen. Daneben war er maßgebend an der Begriffsbildung in der Gebirgsdrucklehre beteiligt. MÜLLER betonte das Verdienst STINIS bei der Entwicklung der Ingenieurgeologie in Österreich. SEMENZA, Venezia, sprach über einige praktische Überlegungen zum Problem der Gründung von Staumauern und Staudämmen. Er ging zuerst kurz auf die Einstellung des Ingenieurs zu wissenschaftlichen Fragen ein. Er verlangte, daß der praktisch tätige Ingenieur auch an die in Versuchen gefundenen Ergebnisse kritisch herangeht. In diesem Sinne sollten seine Ausführungen Überlegungen eines praktischen Ingenieurs darstellen. SEMENZA betonte, daß Bauwerk und Untergrund eine untrennbare statische Einheit darstellen. Jedes Staubauwerk brauche nur die statische Festigkeit zu haben, die der Untergrund aufweist. Bei Staumauern ist die Bestimmung des Elastizitätsmoduls durch statische Belastungsproben (wobei er bei der Auswertung einen großen Sicherheitsfaktor verlangt) und evtl. seismische Untersuchungen unbedingt erforderlich.