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Primatenentwicklung

Quiring, Heinrich

Kurzfassung

Obwohl in den letzten Jahrzehnten, besonders in Afrika, überraschend viele Primatenreste gefunden wurden, ist es noch immer nicht gelungen, den menschlichen Stammbaum bis ins Mittel- und Altpleistozän, geschweige denn ins Tertiär zurückzuführen. Das liegt weniger an der meist richtigen physiologischen Beurteilung der Funde, vielmehr an der mangelhaften geologischen Horizontierung. So hat trotz genügenden stratigraphischen Unterlagen G. H. R. v. KOENIGSWALD (1953, S. 126 und 127) Homo heidelbergensis in die Mindel-Eiszeit (2. Eiszeit) gestellt. Diese Einordnung läßt sich geologisch nicht begründen. Der Unterkiefer lag im Sand der Älteren Mittelterrasse (Hochterrasse) des Neckars. Zur Begleitfauna, der H. heidelbergensis z. T. in Fallgruben nachstellte, gehörten Elephas antiquus und trogontheri, Rhinoceros etruscus, Löwe, Panther und Hyäne (H. SOERGEL 1923). Diese "afrikanischen" Tiere können unmöglich in der 2. Eiszeit, deren Gletscher den Niederrhein erreichten, am Rhein gelebt haben. Der zweifellos noch nackt gehende und sich nachts auf Bäume zurückziehende Heidelberger - von einem Höhlenleben ist nichts bekannt - gehört in die 2. Hälfte des 1. Interglacials (H. QUIRING 1926 und 1930).