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Der Nordrand der Schwäbischen Alb und seine tektonische Stellung

German, Rüdiger

Kurzfassung

1. Einleitung und Problemstellung Der Trauf der Schwäbischen Alb zieht sich in einem weitgespannten Bogen aus der Umgebung von Spaichingen bis zum Ries hin. Abgesehen von den zahlreichen Zerlappungen durch die Bäche und Flüsse weist der Albtrauf nur wenig Unregelmäßigkeiten auf. Er verläuft zunächst bei Spaichingen in der N- bzw. NNE-Richtung und biegt allmählich in die NE- und schließlich in die ENE-Richtung um. Dieser Verlauf ist besonders im westlichen und mittleren Teil so regelmäßig, daß er (zumal nach SEIBOLD 1951) kaum noch Probleme aufzuweisen scheint. Auch die Oberfläche der Schwäbischen Alb ist recht regelmäßig. Sie senkt sich von ihrem höchsten Punkt, dem Lemberg mit 1015 m NN, infolge der Hebung des Schwarzwaldschildes nach beiden Seiten hin ab. In Richtung zum Ries findet diese Absenkung allmählich, zum Klettgau etwas schneller statt. Eine Reihe von Arbeiten hat sich bisher mit der tektonischen Stellung der Stufenränder, darunter auch mit der Lage der Alb und der Schichtlagerung an ihrem Nordrand befaßt. Die bisherigen Ergebnisse sind nicht ganz einheitlich. Nach HENNIG (1920, S. 9) handelt es sich bei dem verstärkten Schichtenfallen vor der Alb nur um ein "lokal ausgeprägteres relatives Zurückbleiben der Alb in dem langwierigen Prozeß des Ansteigens bzw. der Aufwölbung südwestlichen Bodens". - G. WAGNER (1929, S. 68) möchte die Knicke der Schichtlagerung vor den Stufenrändern durch diese erzeugt annehmen und denkt an Isostasie. Später (l. c., S. 289) wird dann die Frage gestellt: "Sollte die Abtragung der Stufe im Vorland zu langsamem isostatischem Ausgleich führen?" - M. FRANK (1931) zieht außerdem Auswirkungen der Alpenfaltung in Betracht, während M. SCHMIDT (1933) die Alpenfaltung in Zusammenhang mit glazialen Erscheinungen für das starke Schichtenfallen bei Mössingen verantwortlich macht. - HEINZELMANN (1935) konstruiert eine genaue Schichtlagerungskarte des mittleren Albvorlandes, führt weitere Zonen verstärkten Schichtenfallens an und schließt: "ferner wird die Lage des Stufenrandes die Schichtlagerung und Klüftung lokal beeinflussen". Die Möglichkeit eines Zusammenhangs mit der Alpenfaltung wird nicht abgelehnt. SEIBOLD (1951, S. 317), gibt dagegen an, daß sich der Albrand bei Nenningen "in keiner Weise an die Schichtlagerung hält". Das scharfe Abbiegen der Schichten bei Aalen erklärt SEIBOLD (1951, S. 306) funktionell durch die Albrandverwerfung. Er stellt für das östliche Gebiet des Albrandes fest (l. c., S. 320), daß der Stufenrand nicht überall von starkem Einfallen begleitet ist und schließt: "So benützt der Albrand das verstärkte Schichtenfallen, verursacht es aber nicht."