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Ein neuer, schwach-mariner Horizont in den Essener Schichten

Tasch, K. H.

Kurzfassung

Im Frühjahr 1957 fanden MICHELAU und TASCH bei der Bearbeitung der Bohrung Prosper 4 nördlich von Bottrop im unteren Westfal B über Flöz Zollverein 1 einen bisher nicht bekannten Foraminiferen-Horizont (Glomospirella, Hyperamina). Im Hangendgestein der benachbarten Flöze konnten bisher keine Foraminiferen nachgewiesen werden. Um festzustellen, ob und wie weit dieser Horizont beständig ist, wurde das Hangende von Zollverein 1 auf den Schachtanlagen Prosper II, Brassert, Westerholt, Zollverein und in der Bohrung Lippermulde 1 untersucht. Es wurden überall Foraminiferen gefunden. Auf der Zeche Welheim in Bottrop treten nach ERNST im gleichen Niveau Schiefer mit Planolites ophtalmoides JESSEN auf, die ebenfalls auf marinen Einfluß hinweisen. Von besonderer Bedeutung ist es, daß dieser schwach-marine Horizont auch im Richtschichtenschnitt der Zeche Zollverein auftritt. In jüngster Zeit wurden die Untersuchungen auch auf das Aachener Revier ausgedehnt. Über Flöz 14, das in der gleichen stratigraphischen Lage wie Flöz Zollverein 1 liegt, wurden Foraminiferen gefunden. Auch hier waren über den benachbarten Flöze keine Foraminiferen nachzuweisen. Weil dieser nunmehr im Ruhrkarbon und im Aachener Revier gefundene, schwachmarine Horizont im gleichen Niveau liegt, wie der aus der Campine bekannte Wyshagenhorizont, lag es nahe, auch diesen auf Foraminiferen zu untersuchen. Eine Probe aus der Bohrung Bourg Leopold, die Dr. DELMER freundlicherweise zur Verfügung stellte, zeigte neben Leaia auch Foraminiferen. Aus dieser Tatsache und auf Grund der gleichen stratigraphischen Lage, wurde der Zollverein 1-Horizont mit dem von Wyshagen gleichgesetzt. Zur Identifizierung dieses Horizontes wurden außer den mikrofaunistischen auch geochemische Untersuchungen durchgeführt. Nach BRADACS und ERNST (1956) ist durch Bestimmung des Bor-Gehaltes der Nachweis einer marinen Fazies möglich. In den Schiefertonen im Hangenden von Flöz Zollverein 1 wurden mehrere Lagen mit höheren Bor-Gehalten gefunden. Sie sind nach dem Bor-Gehalt auf Brassert und in der Bohrung Prosper 4 marin, während sie an den anderen Aufschlüssen dem schwachmarinen bis brackischen Faziesbereich angehören. Stellt man die Bor-Gehalte des Hangendgesteines teufengerecht graphisch dar, so sind die so entstehenden Kurven von verschiedenen Aufschlußpunkten einander sehr ähnlich. Weil sie sich außerdem von den Bor-Kurven der benachbarten Flöz-Hangendgesteine deutlich unterscheiden, kann man auch mit ihrer Hilfe zu einer Flözidentifizierung kommen. Außerdem ist festzustellen, daß die Mächtigkeiten zwischen den Horizonten von Maurage, Wyshagen und Quaregnon im gleichen Verhältnis zueinander stehen wie die zwischen den Horizonten von Ägir, Zollverein 1 und Katharina. Aus all dem geht hervor, daß im unteren Westfal B zur Bildungszeit des Wyshagen-Niveaus bzw. des Zollverein 1-Horizontes eine marine Ingression erfolgte.