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Die Entwicklung der subvariscischen Saumsenke

Paproth, E.; Teichmüller, R.

Kurzfassung

Die subvariscische Saumsenke Nordwestdeutschlands zeigt alle Merkmale einer echten Vortiefe: 1. Das Sedimentationsbecken ist unsymmetrisch. Die größte Mächtigkeit erreichen seine Ablagerungen stets nach dem jeweiligen internen Beckenrand. 2. Der Trog verlagerte sich mit der Faltung sprungweise vorlandwärts, d. h. in der gleichen Richtung, in der die Falten vergieren. Dabei lassen sich drei größere Sprünge (Dinant III/Namur; Namur/Westfal A; Westfal A-C/Westfal D) von kleineren und kleinsten Verschiebungen des Troges, wie z. B. innerhalb des Dinant III, unterscheiden. 3. Im Laufe der Vortiefen-Entwicklung nimmt der marine Einnuß ständig ab. Vom Namur C an überwiegen festländische Sedimente; die jüngsten Schichten des Westfals hegen meist als rote, teilweise konglomeratische Molasse vor und sind rein kontinental entwickelt. 4. Da die Mächtigkeitsmaxima der Schichtpakete sich im Laufe der Karbonzeit vorlandwärts verlagert haben, ist es nicht statthaft, sie zu addieren. Wie in anderen Vortiefen, so haben sich auch in der subvariscischen Saumsenke an ein und derselben Stelle kaum wesentlich mehr als 4000 m Sediment abgelagert. 5. Für den internen Teil der subvariscischen Saumsenke sind bezeichnend: a) die große Mächtigkeit vor allem der älteren Ablagerungen und b) Überschiebungen und Falten, die vorlandwärts immer mehr den Charakter von Diapir-Sätteln annehmen. 6. In den externen Teilen der subvariscischen Saumsenke verklingt die Faltung. Die Frage, ob sich in den äußeren Teilen im Dinant Barriere-Riffe auf dem Vorland (d. h. im nördlichen Münsterland) einstellen und ob es hier noch im Ausklang der asturischen Orogenese zu einer echten Schollentektonik, verbunden mit schwachen Aufdomungen kam, wie die Aufschlüsse bei Osnabrück vermuten lassen, bedarf noch der näheren Untersuchung.