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Morphologische Probleme an der oberen Möhne

Arnold, H.

Kurzfassung

Wie die Ruhr, so zeigt auch die Möhne, ihr rechter Nebenfluß im nordöstlichen Sauerland, deutliche Terrassen. An der oberen Möhne, bei Belecke und Rüthen, sind diese fast nur durch die - oft überrollten - Oberkanten zu verfolgen. Sie liegen gruppenweise in folgenden Höhen über der Talaue und wurden parallelisiert wie folgt: 35 ... 40 → m? Günz ? → = GOEBELS Hochterrasse; 25...30 m → Mindel ? → = GOEBELS Niederterrassen; 15... 20 m → Drenthien Riß → = GOEBELS Niederterrassen; etwa 12 m → Warthe Riß → GOEBELS Mittelterrassen; 5... 10 m → Alt- Würm → GOEBELS Mittelterrassen; 0 m = Aue-Niveau → Jung- Würm. Mit WORTMANN (Diemel-Terrassen, 1937) und BRAUN (Ruhr-Terrassen bei Hagen, 1955) wird die Niederterrasse ins Aue-Niveau gelegt. Die ausgeprägte und durchhaltende Terrasse bei 15... 20 m Höhe üb. d. Aue wird für die Terrasse aus der Hauptvorstoß-Zeit des Riß-Eises gehalten, das damals bis etwa 5 km nördlich des Almetales vorstieß. Die höheren Terrassen werden wahrscheinlich zur Mindel-Vereisung und fraglich zur Günz-Eiszeit gehören. - Westlich und östlich Allagen sind am nördlichen Hange Fließerden aufgeschlossen; sie enthalten stellenweise ein Torf-Bänkchen, das palynologisch aber nicht datierbar war. - Die Talgestaltung mit den flachen alten Talungen und steileren jüngeren Einschnitten sowie die Tas-Asymmetrie (Süd- und Südost-Hänge steiler!) wurden kurz gezeigt. Die Groß-Morphologie zeigt südlich der Möhne die Nordsauerländer Rumpfflächen, die teilweise über die Möhne nach N zu verfolgen sind, wo sie im Haarstrang in eine gleichmäßig schräg nach N fallende Schnittfläche übergeht. Diese ihrerseits scheint - über die Lücke der breiten Lippe-Talung hinweg - mit den Schnittflächen des südlichen Münsterlandes, die schon früher kartiert und beschrieben wurden (ARNOLD 1953), in Verbindung zu stehen. Die Rumpfflächen des nordöstlichen Sauerlandes senken sich langsam nach Norden. Die anschließende Schnittfläche (vom Haarstrang bis zum Hellweg), die die Stufen vom Ober-Turon bis zum unteren Mittel-Turon schneidet, hat eine etwas stärkere Neigung, nämlich 1 ... 2° gegen N, und überwindet (200 ...) 250 m Höhenunterschied. Nördlich der Lippe schließen dann die fast flachliegenden Schnittflächen des Süd-Münsterlandes an, von denen die verbreitetste bei etwa 100 m NN liegt. Im großen gesehen, nimmt die Haar-Hellweg-Schnittfläche zusammen mit dem stärker geneigten Nordteil der Sauerländer Rumpfflächen den breiten Mittelschenkel einer besonders weitgespannten Flexur ein; bei 20 km Länge zeigt der Mittelschenkel (zwischen Warstein und der Lippe) nur 0,4 km Niveau-Unterschied, also gut 1° Einfallen. Dies deutet stark auf eine Hebung des Sauerlandes entlang dieser Flexur um etwa 350 m, die nach der Anlage der ursprünglich einheitlichen tertiären Fläche und vor der Riß-Vereisung erfolgt sein muß. Diese Hebung ist epirogen und wahrscheinlich im Pliozän vor sich gegangen. Die von LOTZE (1933) beschriebenen ältesten Schotter gerade auf dem Kamm des Haarstranges sind wohl älter, die Kieselschiefer führenden Pleistozän-Terrassen (in ihrer Abhängigkeit vom heutigen Relief) junger als die Hebung.