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Über die Salzgehalte der Quellen des Münsterlandes

Kötter, K.

Kurzfassung

Die Münsterländer Kreideschüssel wird mit Ausnahme ihres westlichen Teiles von der Lippe und von der oberen Ems entwässert. Die Chloridführung beider Wasserläufe ist durch Salzwasserzuflüsse verschiedener Art beeinflußt. Ein bestimmter Grundgehalt von etwa 20 mg/l Chlor-Ionen ist eine Folge von bereits im Regenwasser vorhandenen Salzgehalten, während alle höheren Konzentrationen durch natürliche oder künstliche Salzwasserzuflüsse bedingt sind. Natürliche Zuflüsse sind Solen, Kochsalzwässer und Süßwässer mit schwach erhöhten Chloridgehalten, die entlang bestimmter, geologisch bzw. tektonisch vorgezeichneter Wanderwege aus der Tiefe aufsteigen. Künstliche Zuflüsse sind einerseits kochsalzhaltige Wässer, die aus der Tiefe durch künstliche Kanäle aufsteigen (artesische Brunnen, unverrohrte Bohrlöcher) oder aus dem Untergrund zum Zwecke der Wassernutzung (Solen, Mineralwässer) oder Wasserbeseitigung (Grubenwässer) gehoben werden, und andererseits häusliche und industrielle Abwässer und durch Düngung mineralisierte Wässer. Sämtliche Salzwässer fließen den Wasserläufen direkt oder nach Verdünnung durch das oberflächennahe Grundwasser zu. Von geologischem Interesse sind bei den Salzwässern des Untergrundes die Herkunft und die Lagebeziehung der natürlichen Wanderwege und Aufstiegskanäle zum tektonischen Bau. Von hydrologischem Interesse sind die Auswirkungen der Salzwasserzuflüsse auf den Chemismus der für die Wassernutzung in Frage kommenden Grund- und Oberflächenwässer. Beide Fragenkomplexe erfuhren im Laufe der letzten Jahre eine Bearbeitung, und zwar hinsichtlich des Lippegebietes durch P. BAECKER und hinsichtlich des oberen Emsgebietes durch eigene Untersuchungen. Der Salzgehalt des Lippewassers ist beim Verlassen der Münsterländischen Kreideschüssel durch Zuleitung künstlich gehobener Grubenwasser-Solen so stark erhöht, daß demgegenüber die natürliche Salzführung des Flusses weitgehend überdeckt wird. In den oberen Teilen des Flußgebietes, die weniger industriellen Einflüssen, dafür aber um so mehr den Einflüssen natürlicher Sol- und Kochsalzwasserquellen unterliegen, konnten Beziehungen zwischen Zonen besonderer Salzwasseranreicherung einerseits und tektonischen Linien andererseits nachgewiesen werden.