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Gliederung des Pleistozäns im Oberrheingebiet

Bartz, J.

Kurzfassung

Die pleistozänen Ablagerungen sind im Oberrheingebiet in großer Mächtigkeit und weiter Verbreitung erhalten. Fossilfunde sind nicht selten; von besonderer Bedeutung sind die altpleistozänen Vorkommen von Mosbach, Schwanheim, Mauer, Jockgrim u. a. im nördlichen Oberrheingebiet. Ihre Einstufung in die PENCK-BRÜCKNERsche Einteilung des Eiszeitalters oder in die SOERGELsche Vollgliederung war stets unbefriedigend, da glazial-klimatische Bildungen im Altpleistozän des Oberrheingebietes fehlen. Sie sind meist als interglaziale oder interstadiale Bildungen betrachtet worden. Die Ausbildung der Flußterrassen im Mainzer Becken, die Zahl der Lösse wie auch die Entwicklung der mächtigen pleistozänen Kiese, Sande und Tone im Oberrheingraben lassen erkennen, daß glazialklimatische Bildungen im Oberrheingebiet auf das Jung- und Mittelpleistozän beschränkt sind. Bei den altpleistozänen Ablagerungen handelt es sich nicht um zwischeneiszeitliche Bildungen; sie sind vielmehr als Ablagerungen eines warmen, sich erst gegen das Mittelpleistozän hin abkühlenden Klimas zu betrachten. Zweifellos haben im Altpleistozän Klimaschwankungen vorgelegen, die das Vorherrschen einer Wald- oder Steppenfauna begünstigten. Diese haben aber nie das Ausmaß der Eiszeiten des Mittel- und Jungpleistozäns erreicht. Es ist daher verfehlt, im Oberrheingebiet von altpleistozänen oder gar pliozänen Eiszeiten zu sprechen. Nach den vorliegenden Erfahrungen gliedert sich das Pleistozän im Oberrheingebiet in ein Altpleistozän mit warmer Fauna und Flora und in ein Mittel- und Jungpleistozän, in denen sich 3 Eiszeiten durch Schotterbildungen, Lösse und Fossilfunde nachweisen lassen. Ähnliche Verhältnisse zeigen auch die pleistozänen Ablagerungen in West- und Norddeutschland.