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Die Alpen im Pliozän

Staub, W.

Kurzfassung

Die größeren Täler der Schweizer Alpen zeigen im Querschnitt eine weit nach oben geöffnete U-Form. Eine nähere Betrachtung der Talgehänge zeigt eine reiche Gliederung derselben: Steilstellen mit Wald oder nacktem Fels wechseln mit flachen ebenen Grünflächen ab. Auf den tieferliegenden scharen sich Dörfer um ihre Kirchen, auf höher gelegenen Terrassen folgen Maiensässe; die obersten Verflachungen tragen die Alpweiden. Terrassen, welche die Schichten kappen, müssen als Erosionsreste, entstanden bei der Eintiefung des Tales, als die Reste alter Talböden gedeutet werden. Die Altersbestimmung ist in der Schweiz nicht einfach. Einen der wenigen Anhaltspunkte bildet die alte Fast-Ebene im Alpenvorland, im Molasseland, welche dem älteren Deckenschotter als Auflagerungsfläche diente. Diese Fläche besitzt heute am Alpenrand eine Meereshöhe von rund 1000 m, setzt sich aber in den großen Tälern als Abtragungsfläche mit etwa 13-14 %o Steigung fort (Burgfluhniveau bei Spiez von Paul BECK). Was über diesen Abtragungsflächen lag, muß der Erosionsarbeit der Tertiärzeit anheimgefallen sein. Nun weisen gerade die höchsten Talbodenreste auf Täler hin, die dem heutigen Gebirge eher fremd sind. Es sind breite, wenig tiefe Sohlentäler, 5-7 km breit, die sich mit ebener Sohle in die Nebentäler fortsetzen und nur ein sehr geringes Gefälle zeigen. Eine derartige Talbildung ist nur im Klima, wie es in der Tertiärzeit herrschte, denkbar. Das Klima war bis ans Ende des Pliocäns ein randtropisches mit langen Trockenzeiten. Die Pole waren unvergletschert. In diesem Klima entstanden auch die höchsten Verebnungen, die heute in etwa 2400 m Meereshöhe zu finden sind. Der Wechsel zum Eiszeitklima (im Villafranchien) muß ein sehr radikaler gewesen sein. Der Einbruch der Kälte erfolgte wohl in einzelnen Etappen. Ein ältester Tallauf in der Schweiz folgte dem Innenrand des Ketten-Jura. Er sammelte die Gewässer aus den Alpen und führte sie - eine Ur-Aare - über das Wutachtal der Donau zu. Wohl nur geringe tektonische Bewegungen genügten, um zunächst diese Ur-Aare einem Flußlauf zuzuführen, der im Pliocän die Sundgauschotter aufschüttete, bis der Rhein schließlich durch das heutige Rheintal abgelenkt wurde. Die Aare war also einst mächtiger als der Rhein. Ihr floß auch die Rhone zu, welche dem heutigen Tallauf der Broye folgte. Daher das Fehlen jeglicher Ablagerungen auch noch der beiden älteren Eiszeiten um Genf.