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Die tertiären und rezenten eurasiatischen Riesensalamander (Genus Andrias, Urodela, Amphibia)

Westphal, F.

Kurzfassung

Tertiäre Riesensalamander sind erstmals durch SCHEUCHZERS Beschreibung (1726) eines obermiozänen Exemplars aus Öhningen bekanntgeworden. SCHEUCHZER deutete es als fossilen Sintflutmenschen, und nach wechselvoller Beurteilung erkannte erst CUVIER 1811 die Amphibiennatur dieser Fossilien. Später fand man weitere Reste im niederrheinischen Mitteloligozän (Rott), im Untermiozän Böhmens (Preschen), dem Unterpliozän des Wiener Beckens und schließlich verschwemmte Knochen in der Oberen Süßwassermolasse Nordbayerns (Günzburg) und Südwürttembergs (Jungnau). Nach Fundorten getrennt stellte man drei Arten auf: Andrias scheuchzeri (HOLL 1831), A. tschudii V. MEYER 1859 und A. bohemicus LAUBE 1897. Erst 1837 sind durch SIEBOLD gleichgroße rezente Salamander aus Ostasien bekanntgeworden. Bei der Neubearbeitung der fossilen Formen stellte sich eine unerwartet große individuelle Variabilität im Skelett heraus, die es erlaubt, die gesamten fossilen Funde unter A. scheuchzeri zusammenzufassen. Die frühere Trennung in drei Arten war eine Folge der Unmöglichkeit, das Fundgut aller Lokalitäten vergleichend zu betrachten. Es liegt nun nahe, nach dem Grad der Verwandtschaft zwischen fossilen und rezenten Riesensalamandern zu fragen. Auch hier ergibt sich vollkommene Übereinstimmung im Skelett, so daß der zeitliche Abstand (Unterpliozän bis heute) lediglich als Fundlücke gedeutet werden kann. Die rezenten Formen werden den fossilen artlich zugeordnet, wobei sich 3 Subspezies unterscheiden lassen: Andrias scheuchzeri japonicus, A. s. davidianus (beide rezent, in der Weichteilanatomie leicht verschieden) und die Unterart A. s. scheuchzeri für die fossilen Funde, deren Weichteile unbekannt sind. Die Riesensalamander sind gleich anderen Amphibien in der Zeit zwischen Jungtertiär und heute von einem größeren eurasiatischen Verbreitungsgebiet auf Ostasien eingeengt worden.